
Page 37 • Click to zoom
Page 37 of 264
17
As little as I can have a prejudice against my own race, which has played the greatest role in world history and is destined to play an even greater one in the future, just as little can I approve of that other prejudice against the holy language of our fathers, as a consequence of which one would like to displace Hebrew from all of Jewish life, and finally even from the cemetery with German inscriptions.
The Hebrew prayers have always edified me. The echo of a thousand generations, who daily let them rise to heaven from afflicted hearts, resonates toward me from them. These moving prayers seldom fail to have their effect on those who understand them.
The most moving thing about the Jewish prayers is that they are consistently collective prayers for the entire Jewish tribal community. The pious Jew is, above all, a Jewish patriot. The "new-fashioned" Jew, who denies the Jewish nationality, is not only an apostate, a renegade in the religious sense, but a traitor to his people, to his family.
Were it true that the emancipation of the Jews in exile is incompatible with the Jewish nationality, then the Jew would have to sacrifice the former to the latter. This point perhaps requires a more thorough discussion than has hitherto been the case *).
But that the Jew must be, above all, a Jewish patriot requires no proof for one who has had a Jewish education.
Jewish patriotism is not some Germanic fog that can be separated into Being and Seeming, into Realism and Idealism; it is a true-to-nature feeling that, in its originality and simplicity, neither needs to be demonstrated nor can be demonstrated away.
*) Note IV.
2
Show Original German Text
17 So wenig ich ein Borurtheil gegen meine eigne Race haben kann, welche die größte Rolle in der Weltgeschichte gespielt hat, und eine noch größere in Zukunft zu spielen berufen ist, eben so wenig kann ich jenes andre gegen die heilige Sprache unsrer Väter gutheißen, in Folge dessen man das hebräische aus dem ganzen jüdischen Leben, und zuletzt auch noch auf dem Fnedhofe durch deutsche Inschnften verdrängen möchte. — Die hebräischen Gebete haben mich stets erbaut. Das Echo von tausend Generationen, die sie täglich aus bedrängtem Herzen zum Himmel aufsteigen ließen, klingt mir aus ihnen entgegen. Selten verfehlen diese rührenden Gebete ihre Wirkung auf diejenigen, die sie verstehen. Das Rührendste an den jüdischen Gebeten ist, daß sie durchgängig Collectivgebete für die ganze jüdische Stammesgenossenschaft sind. Der fromme Jude ist vor allen Dingen jüdischer Patnot. Der „neumodische“ Jude, der die jüdische Nationalität verleugnet, ist nicht nur ein Apostat, ein Abtrünniger im religiösen Sinne, sondem ein Verräther an seinem Volke, an seiner Familie. — Wäre es wahr, daß die Emanzipation der Juden im Exil unvereinbar sei mit der jüdischen Nationalität, so müßte der Jude die Erstre der Leztem zum Opfer bnngen. Dieser Punkt bedarf vielleicht noch einer eingehendem Erörterung, als bisher geschehen *). Daß aber der Jude vor allen Dingen jüdischer Patnot sein muß, bedarf keines Beweises für denjenigen, der nur eine jüdische Erziehung genossen hat. — Der jüdische Patnotismus ist kein germanischer Nebel, der sich in Sein und Schein, in Realismus und Idealismus scheiden läßt; er ist ein naturwahres Gefühl, das in seiner Ursprünglichkeit und Einfachheit weder demonstnrt zu werden braucht, noch wegdemonstnrt werden kann. — *) Note IV. 2