
Page 170 • Click to zoom
Page 170 of 264
150 ...appeared in the temple, had overturned the money-changing tables for the temple offerings, and had driven the dove-sellers from the vicinity of the temple. Such a sensational deed would not have remained unmentioned in the other sources from that time. Moreover, it is not otherwise known that dove-sellers and money-changers had their stalls inside the temple; rather, the temple treasury merely supplied wine, oil, and flour for meal offerings to those sacrificing and donating, in exchange for money.*) Jesus may well have spoken out with indignation about the abuse of the temple treasury conducting business, and this utterance will have been transformed by legend into a factual event.
In general, the most important period of his life—the position Jesus took in Jerusalem in relation to the people, the Sanhedrin, and the parties; whether he publicly declared himself as the Messiah, and how this was received—is shrouded in such impenetrable darkness in the sources that one cannot mistake the legendary embellishments and additions. Prejudices may certainly have prevailed against him in the capital. The educated part of the populace by no means expected the messianic work of redemption from a Galilean ignorant of the law; it violated the centuries-old conceptions to see the Messiah come from Galilee, when he was expected from Bethlehem and the tribe of David. The proverb, "What good can come from Nazareth," may have been formed at that time. The pious took general offense at him because he associated with sinners and tax collectors, eating and drinking with them. Even the Jo-
*) Shekalim IV., 3, V, 4.
Show Original German Text
150 pel aufgetreten ſei, Wechſeltische für die Tempelspenden umgeworfen und die Taubenverkäufer aus der Nähe des Tempels verjagt habe. Eine ſolche, Aufſehen erregende That würde in den anderweitigen Quellen aus jener Zeit nicht verschwiegen worden ſein. Auch ist es anderweitig nicht bekannt, daß Taubenhändler und Wechſler ihre Verkaufsstäden innerhalb des Tempels gehabt hätten, ſondem der Tempelschatz lieferte den Opfemden und den Spendenden für Geld lediglich Wein, Del und Mehl zu Speiſeopfem*). Wohl mag ſich Jeſus mit Entrüstung über den Mißbrauch ausgesprochen haben, daß der Tempelschatz Geschäfte treibe, und dieſe Neußerung wird die Sage zu einer Thatſache umgestellt haben. Ueberhaupt ist gerade der wichtigste Abschnitt ſeines Lebens die Stellung, welche Jeſus in Jeruſalem dem Volke, dem Synhednon und den Parteien gegenüber eingenommen, ob er ſich öffentlich als Meſſias ausgegeben hat, und wie dieſes aufgenommen worden, in den Quellen in ein ſo undurchdnngliches Dunkel gehüllt, daß man die ſagenhaften Ausschmückungen und Ergänzungen gar nicht verkennen kann. Vorurtheile mögen allerdings in der Hauptstadt gegen ihn geherrscht haben. Von einem geſetzesunkundigen Galiläer hat der gebildete Theil des Volkes das meſſianische Erlöſungswerk keineswegs erwartet; es verstieß gegen die Jahrhunderte lang gehegten Vorstellungen, den Meſſias aus Galiläa kommen zu ſehen, während man ihn aus Bethlehem und dem Stamme Davids erwartete. Das Sprüchwort: „Was kann Gutes aus Nazareth kommen“, mag ſich damals gebildet haben. Die Frommen nahmen allgemeines Aergemiß an ihm, weil er mit Sündem und Zöllnem Umgang gepflogen, mit ihnen gegeſſen und getrunken. Selbst die Jo *) Schekalim IV., 3, V, 4.