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444 The thoughtless mass, which at the word “Jew” always thinks of capitalism, — even the affected Jews themselves are among this mass! — it does not see that all economic disadvantages and difficult employment conditions have always been much more keenly felt by the vast majority of Jewry than by the rest of the population.
Processes that grow up before a person's eyes he does not observe, if he does not suddenly see them step before him and they do not suddenly tear him from his accustomed amble. Thus, the ever and progressively advancing displacement of the Jews from their sources of income could escape them for so long that they — misled by the rapid rise of the relatively few Jewish millionaires — themselves spoke of an “upward class movement” and overlooked the immeasurable reservoir of misery in the East and their own hard struggle for exi- stence.
The Jew was seen not only as someone of a different faith, but to a large extent also as German, since the Jews, due to the peculiarity of Moravian circumstances until most recent times, not only spoke German among themselves, but in elections also usually cast their votes in favor of the German candidates. Thus it came about that the position of the Jews visibly deteriorated. In addition, there was often the antise- mitic movement, which gradually spread over the whole country and sought to undermine the economic ground of the Jews and to thwart their social aspirations for upward mobility. The artificial complication of economic and employment conditions particularly affected the Jews in the countryside and in the small towns. Added to this was also the general decline of the small market towns. A clear sign of the flow of Jews from the country to the city is the dissolution of several old Jewish communities in small places, in which a rapid decline of the Jewish population occurred. (Haas, Die Juden in Mähren, Zeitschr. f. Demogr. u. St. d. J., Vol. IV).
Among the total population of Moravia, the Jews constituted: in the year 1869 with 42,644 souls 2.13% ” ” 1880 ” 44,175 ” 2.05% ” ” 1890 ” 45,324 ” 1.99% ” ” 1900 ” 44,255 ” 1.84%
A population has never flowed out of a country where it is doing very well. These numbers are a subtle symptom of the processes taking place beneath the surface even in this rich country.
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444 Die gedankenſaule Maſſe, welche bei dem Wort „Jude“ stets an Kapitalismus denkt, — auch die betroffenen Juden ſelbst ſind unter dieſer Maſſe! — ſie ſieht nicht, daß alle wirtschaftlichen Nachteile und schwiengen Erwerbsverhältniſſe ſeit jeher der weitaus überwiegenden Mehrheit der Judenschaft viel empfindlicher waren als der übngen Bevölkerung. Vorgänge, die dem Menschen unter den Augen empor- wachſen, beobachtet er nicht, wenn er ſie nicht plötzlich vor ſich hintreten ſieht und ſie ihn nicht aus dem gewohnten Schlendnan plötzlich herausreißen. So konnte die stets und fortschreitende Abdrängung der Juden von ihren Erwerbsquellen ihnen ſelbst ſo lange entgehen, daß ſie — irregeleitet von dem raschen Aufstieg der verhältniſmäßig wenigen jüdischen Millionäre — ſelbst von einer „aufsteigenden Klaſſenbewegung“ sprachen und das unermeßliche Reſervoir des Elends im Osten und ihren eigenen harten Exi- stenzkampf überſahen. Im Juden nicht nur den Andersgläubigen, ſondem zum großen Teil auch den Deutschen dah, da die Juden infolge der Eigenart der mähnschen Verhältniſſe bis in die neueste Zeit nicht nur untereinander deutsch sprachen, ſondem bei Wahlen auch gewöhnlich zugunsten der deutschen Kandidaten ihre Stimmen abgaben. So kam es, daß die Stellung der Juden ſich zuſehends verschlechterte. Hiezu kam vielfach die antifeini- tische Bewegung, welche ſich allmählich über das ganze Land verbreitete und den wirtschaftlichen Boden der Juden zu untergraben und ihre ſozialen Aufwärtsstrebungen zu unterbinden trachtete. Die künstliche Er- schwerung der wirtschaftlichen und Erwerbsverhältniſſe traf insbeſondere die Juden auf dem flachen Lande und in den kleinen Städten. Hiezu kam auch noch der allgemeine Niedergang der kleinen Handelsstädte. Ein deut- liches Zeichen für die Strömung der Juden vom Lande in die Stadt bildet die Auflöſung mehrerer alter Judengemeinden in kleinen Orten, in welchen eine rapide Abnahme der jüdischen Bevölkerung erfolgte. (Haas, Die Juden in Mähren, Zeitschr. f. Demogr. u. St. d. J., Jg. IV). Unter der Geſamtbevölkerung Mährens bildeten die Juden: im Jahre 1869 mit 42.644 Seelen 2.13% „ „ 1880 „ 44.175 „ 2.05% „ „ 1890 „ 45.324 „ 1.99% „ „ 1900 „ 44.255 „ 1.84% Aus einem Lande, wo es ihr ſehr gut geht, ist eine Bevölkerung noch nie abgeströmt. Dieſe Zahlen ſind ein leiſes Symptom für die auch in dieſem reichen Lande unter der Oberfläche ſich abspielenden Prozeſſe.