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392 to perfection, that the transfiguration of the philosopher, the saint, the artist, which overcomes all pain, is possible: — this realization gives man the certainty that outside the dreary phenomena of the environment we can gain a foothold within ourselves, which constitutes the actual value of our transient life. An impoverishment of the psyche would make life not seem worth living; it is the actual content of our life. That is the thirst for religion in that higher sense, which we have perhaps succeeded in indicating. Psychic receptivity and thereby easily evoked devotion and sanctity of mood, the striving for know- ledge of the unexplored, these are the actual charac- teristics of a philosophically disposed individuality. If it matures into philosophy, it raises itself actively above the world; if it remains in the sphere of feeling, then that is the genuine, deep, indeed mystical religious sense. The religious spirit directs man to fit himself into the great course of the mechanism of nature and to flow into the law- ful stream of things. It is a fact that self-will and one's own power, if they wanted to assert themselves independently in all hours and in all things, against the impossi- bility of their execution would have to shatter ineffectually. And therefore, from a practical point of view, it appears appropriate, by and large, to let things take their na- tural course and to swim selflessly with the current, but to apply one's own surplus of strength and one's own will- energy fully in the field that one has chosen for one's more specific activity. The religious need and religious thinking of man is something that arises of its own accord at all times. only one must not think that it must always coincide with the content of one of the "positive" religions. "Religious," according to the meaning of the word, is he who in actions and views knows himself to be bound to higher demands, far above
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392 bis zur Vollendung steigem können, daß die allen Schmerz über- wältigende Verklärung des Philosophen, des Heiligen, des Künstlers möglich ist: — diese Erkenntnis gibt dem Menschen die Sicherheit dafür, daß wir außerhalb der tnsten Erscheinun- gen der Umwelt in uns selbst einen Stützpunkt gewinnen können, der den eigentlichen Wert unseres vergänglichen Lebens aus- macht. Eine Verarmung der Psyche würde das Leben nicht lebenswert erscheinen lassen, sie ist der eigentliche Inhalt unseres Lebens. Das ist der Durst nach Religion in jenem höheren Sinn, den anzudeuten uns vielleicht gelungen ist. Seelische Rezeptivität und dadurch leicht zu ekphonerende Andacht und Heiligkeit der Stimmung, das Streben nach Er- kenntnis des Unerforschten, sie sind die eigentlichen Cha- raktenstika einer philosophisch angelegten Individualität. Reift sie zur Philosophie sich durch, so erhebt sie sich selbstthätig über die Welt; bleibt sie in der Gefühlssphäre, so ist das der echte, tiefe, ja mystische religiöse Sinn. Der religiöse Geist weist den Menschen darauf, sich in den großen Gang des Naturmechanismus einzufügen und in den ge- setzlichen Strom der Dinge auszumünden. Es ist eine Thatsache, daß der Eigenwille und die eigene Kraft, wenn sie sich in allen Stunden und allen Dingen gegen- über selbständig zur Geltung bnngen wollten, an der Unmög- lichkeit der Durchführung wirkungslos zerschellen müßten. Und deshalb erscheint es vom praktischen Gesichtspunkt aus als das Angemessene, im Großen und Ganzen den Dingen ihren natür- lichen Lauf zu lassen und uneigenninnig mit dem Strom zu schwimmen, den eigenen Kraftüberschuß und die eigene Willens- energie jedoch voll zur Anwendung zu bnngen auf dem Gebiete, das man zur engeren Thätigkeit sich erwählt. Das religiöse Bedürfnis und das religiöse Denken des Menschen ist etwas, was sich jederzeit von selbst einstellt. nur muß man sich nicht denken, daß es sich stets mit dem Inhalt einer der „positiven“ Religionen decken muß. „Religiös“ ist der Bedeutung des Wortes gemäß derjenige, der in Handlungen und Anschauungen sich an höhere, weit über