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390 In great moments of devotional mood, of artistic enjoyment, of high thoughts, consciousness seems lifted out of the own self; the threads of consciousness seem to knot themselves outside the own self. The individual loses its sense of importance, a kind of super-consciousness arises. We then behold the phe- nomenon of transcendence, which underlies all so mysterious religious- mystical "devotion." Such devotion prevents man from suffocating in the swamp- atmosphere of trivial comfort, from losing himself in par- ticulars, and it brings it about that in decisive moments he knows himself to be bound to eternity. Every order of prayer, it is true, consists for the most part of a taste- less and endless variation of the eternally same monotony with a jumble of benedictions. Besides this, however, it contains pieces which, through the loftiness of their conception, the breadth of their outlook, and the depth and greatness of their sentiment, but the surging restlessness of his spirit has subsided because it has succeeded in reopening another phase of his own consciousness. Specifically, by involuntarily fleeing back from the sphere of mature consciousness to that of childlike consciousness, his intellect is relieved by the now possible renunciation of his own will and his own judgment, freed from the crushing burden of his own responsibility. His feeling and thinking no longer have to actively seek the path of their operation, but move automatically again in pre- paved tracks. What grants calm is not the content of the prayer and the deity then apostrophized, but the switching off of the higher consciousness, which is paralyzing in its current helplessness. Hence, then, again the freer flow of series of thoughts and ideas. It is the relieving projection of the excess of mood onto some object, be it a trusted dear friend or the divine power. The desired consequence of confession to a friend or of devout prayer, however, is always a beneficial release. In such a sense, one does not pray to God, one prays to oneself. But fervent prayer can not only act to release emotion, but under certain circumstances, a prayer offered purely on the basis of the mechanism of duty can, through special solemnity and sublime form, for instance through the mysticism of the magnificent in the house of God, also have an emotion-generating effect.
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390 In großen Momenten der Andachtsstimmung, des Kunst- genusses, der hohen Gedanken, scheint das Bewußtsein aus dem eigenen Selbst herausgehoben; die Fäden des Bewußtseins scheinen sich außerhalb des eigenen Selbst zu verknoten. Das Individuum geht sich seiner Wichtigkeit verloren, es entsteht ge- wissermaßen ein Überbewußtsein. Wir erblicken dann das Phä- nomen der Transzendenz, das aller so geheimnisvollen religiös- mystischen „Andacht“ zugrunde liegt. Solche Andacht verhindert es, daß der Mensch in der Sumpf- atmosphäre tnvialer Wohllebigkeit ersticke, daß er sich ins ein- zelne verliere, und sie bewirkt es, daß er sich in entscheidenden Momenten an die Ewigkeit gebunden weiß. Jede Gebetsordnung besteht zwar zum großen Teil aus einem geschmack- und endlosen Vanieren des ewig selben Einerlei mit einem Wust von Benediktionen. Daneben aber enthält sie Stücke, welche auf das Gemüt durch die Höhe ihrer Auffassung, die Weite des Ausblicks und die Tiefe und Größe der Empfindung sondem die wogende Unruhe seines Geistes ist dadurch abgeebbt, daß es ihm gelungen ist, eine andere Phase seines eigenen Bewußtseins sich wieder zu erschließen. Dadurch nämlich, daß er sich unwillkürlich aus der Sphäre des reifen in die des kindlichen Bewußtseins zurückflüchtet, wird sein Intellekt durch den jetzt möglichen Verzicht auf den eigenen Willen und das eigene Urteil entlastet, von der wuchtenden Last der eigenen Verantwortung befreit. Sein Fühlen und Denken muß sich nicht mehr selbsttätig den Weg seiner Betätigung suchen, sondem bewegt sich wieder automatisch in vor- gebahnten Geleisen. Was Ruhe gewährt, ist nicht der Inhalt des Gebetes und die dann apostrophierte Gottheit, sondem die Ausschaltung des in seiner jetzigen Hilflosigkeit lähmenden Oberbewußtseins. Daher dann wieder der freiere Ablauf der Gedanken- und Vorstellungsreihen. Es ist das entlastende Projizieren des Übermaßes der Stimmung auf irgend ein Objekt, sei dies nun ein vertrauter lieber Freund oder die göttliche Gewalt. Die erwünschte Folge der Freundesbeichte oder des andächtigen Gebetes aber ist immer eine wohltätige Entspannung. In solchem Sinne betet man nicht zu Gott, man betet zu sich selbst. Aber nicht nur stimmungsentladend kann das inbrünstige Gebet wirken, sondem unter Umständen kann das nur auf Grund des Pflichten- mechanismus vernchtete Gebet durch besondere Feierlichkeit und erhabene Form, etwa durch die Mystik des Großartigen im Gotteshause, auch stim- mungserzeugend wirken.