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389 of modernity. Merely rationalistic thinking can indeed become a misfortune, knowledge a torment, and the soul also needs its nourishment. One would truly, if not refreshed by art or religion or fantasy, suffocate in the dust of barren prose. The need of humans for higher spiritual stimulation, for an ever-ready comfort in the pain and filth of this world and even for the self-deception of a mighty protection in all distress, exists ineradicably. The person lacking inner stability who falls into misfortune finds in the stupor of intoxication or of gambling the fog that envelops his misery. The more nobly disposed person, where the intellect fails him, gives himself over to feelings, to instincts; he flees to his heart, to religion.
- Deeper emotional stirrings often press, especially when they move in the direction of desire or resignation, toward emanation in prayer, whereby the invocation of supernatural assistance is very often of less importance than precisely the emanation of one's own feelings. It would be one of the most interesting problems to determine how many mentally and spiritually outstanding persons, when in hard times they have reached the limit of their capacity, when they are about to fall into full despair, how they then often, through simple, fervently offered prayers that suddenly surface from their childhood in their memory, yet regain a certain calm and confidence. There are unavoidable situations, e.g., of social or health- related distress, where even the richest intellect recognizes with deepest pain the limits set to its power, where its will is powerless against the force that is destroying it. For him, there is then no trust in the wisdom and goodness of a higher providence. And so it can be that, in the face of the dark uncertainty in which he longingly awaits help, but can only seek solace in his own help- less intellect and not in the will of a higher, fate-determining being, he then gives himself over to despair. If he succeeds in taking refuge in prayer and putting the fervor of his tormented soul into it, he then really often gains a higher consecration and the calm of the Stoic. But not as if his worldview had now changed at a stroke, or as if the grace of a higher power would now graciously smooth the way for him,
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389 der Modeme führen. Das bloß rationalistische Denken kann tat- sächlich zum Unglück, das Wissen zur Qual werden, und auch die Seele braucht ihre Nahrung. Man müßte wirklich, wenn nicht aufgefnscht durch Kunst oder Religion oder Phantasie, in dem Staub der kahlen Prosa ersticken. Das Bedürfnis der Menschen nach höheren geistigen Anregungen, nach einem allzeit bereiten Trost in dem Schmerz und Schmutz dieser Welt und sogar nach der Selbsttäuschung eines mächtigen Schutzes in allen Nöten besteht unausrottbar. Der ins Unglück geratende innerlich haltlose Mensch findet in der Betäubung durch den Rausch oder durch das Spiel den Nebel, welcher ihm sein Elend einhüllt. Der edler Angelegte überläßt sich, wo der Intellekt ihn im Stiche läßt, den Gefühlen, den Instinkten; er flüchtet zu seinem Herzen, zur Religion. * Tiefere Gemüthsbewegungen drängen oft, namentlich wenn sie in der Richtung des Wunsches oder der Resignation sich bewegen, zur Emanation im Gebete, wobei die Anrufung des übenrdischen Beistandes sehr oft weniger von Belang ist, als eben die Emanation der eigenen Gefühle. Es wäre eines der interessantesten Probleme, es festzustellen, wieso viele geistig und seelisch hervorragende Personen, wenn sie in harten Zeiten an der Grenze ihres Leistungsvermögens angekommen sind, wenn sie daran sind, der vollen Verzweiflung anheimzufallen, wie sie dann oft durch einfache, brünstig vernchtete Gebete, die plötzlich aus ihrer Kinder- zeit her in ihrem Gedächtnis auftauchen, doch eine gewisse Ruhe und Zuversicht wieder erlangen. Es gibt unausweichliche Situationen, z. B. sozialer oder gesundheit- licher Bedrängtheit, wo auch der reichste Intellekt mit tiefstem Schmerze die Schranken, die seiner Macht gesetzt sind, erkennt, wo sein Wille der ihn vemichtenden Macht gegenüber ohnmächtig ist. Für ihn gibt es dann kein Vertrauen in die Weisheit und Güte einer höheren Fügung. Und so kann es sein, daß er sich angesichts der dunklen Ungewißheit, in der er sehnsüchtig nach Hilfe harrt, aber doch nur Trost in dem eigenen hilf- losen Intellekt suchen kann und nicht in dem Willen eines höheren schicksalsbestimmenden Wesens, daß er sich dann der Verzweiflung überläßt. Gelingt es ihm, zum Gebete Zuflucht zu nehmen und die Inbrunst seiner gequälten Seele hineinzulegen, so gewinnt er dabei wirklich oft eine höhere Weihe und die Ruhe des Stoikers. Aber nicht etwa, als ob seine Weltanschauung mit einem Schlage jetzt sich geändert hätte, oder als ob die Gnade einer höheren Macht ihm jetzt gütig den Weg ebnen würde,