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285 resounding depth of the impression that would allow them to withstand competition with innate dispositions, once the latter are aroused. For this reason, innate but unpracticed dispositions do not resonate to weak stimuli, because they are too weathered, too indistinct, to possess the degree of qualitative correspondence necessary for weak stimuli; the stronger the stimulus becomes, however, the greater the differences between itself and the disposition it overcomes in evoking resonance. Thus, grand motives, when on the other hand a great, profound instinctual material, “homophonous” with the powerful motives, awaits release, also awaken unsuspected latent dispositions to new life.
In character, the innate, and thus general, qualities from constituted heredity relate to the acquired, and thus individual, qualities from childhood and youth through upbringing, circumstances, and fate, like two different layers, of which the superficial one may under ordinary circumstances seem the more important, because it conceals the deeper one and receives stimuli earlier and more easily than it; only when great motives approach a person, which not only touch his most superficial habits and interests but seize and churn up his innermost being, only then is this covering broken through, and the innate character asserts its dominant right.
In passion, we follow these deeper impulses. Everyone has at some point experienced that in the great moments, it is not he himself who decides, not the one he believes himself to be in his relations with the world, but another within him, someone below, the unguarded man, into whom the formative powers of custom, education, and discipline penetrate with difficulty.
Feelings that are cherished in the soul of the people and preserved in defiance of the influence of the times then tend to appear in great eras, gathered in powerful personalities, and to grant them captivating power. Then, the fact that the general intelligence of the tribe, latent in these psychic instincts, comes to the fore in times when all inhibitions of everyday life are reduced, alongside the
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285 hallige Tiefe des Eindrucks, welche sie eine Konkurrenz mit den angeborenen Dispositionen aushalten ließe, wenn letztere einmal erregt sind. Auf schwache Reize resonieren die ange- borenen, aber nicht geübten Dispositionen deshalb nicht, weil sie zu verwittert, zu undeutlich sind, um das bei schwachen Reizen notwendige Maß qualitativer Übereinstimmung zu be- sißen; je stärker aber der Reiz wird, umso größere Differenzen zwischen sich selbst und der Disposition überwindet er im Her- vorrufen der Resonanz. So rufen denn großartige Motive, wenn auf der andem Seite ein großes, tiefgehendes, den gewaltigen Motiven „homophones“ Instinktmatenal der Auslöſung harrt, auch ungeahnte latente Dispositionen zu neuem Leben wach. Es verhalten sich im Charakter die durch konstituierte Vererbung angeborenen, also generellen Eigenschaften zu den in der Kindheit und Jugend durch Erziehung, Verhältnisse und Schicksale hinzuerworbenen, also individuellen Eigenschaften, wie zwei verschiedene Schichten, von denen die oberflächliche unter gewöhnlichen Umständen die wichtigere scheinen kann, weil sie die tiefer liegende verhüllt und die Reize früher als diese und leichter als diese in Empfang nimmt; erst wenn große Motive an den Menschen herantreten, welche nicht bloß seine oberflächlichsten Gewohnheiten und Interessen berühren, sondem sein Innerstes ergreifen und durchwühlen, erst dann wird diese Hülle durchbrochen, und der angeborene Charakter macht sich in seinem dominierenden Rechte geltend. In der Leidenschaft folgen wir diesen tieferen Impulsen. Jeder hat einmal erfahren, daß er in den großen Momenten gar nicht selbst entscheidet, nicht jener, der er in den Beziehungen zur Welt zu sein glaubt, sondem ein anderer in ihm, einer unten, der unbewachte Mensch, zu dem hinab die formenden Mächte der Sitte, Bildung, Zucht schwer dnngen. Gefühle, die in der Volksseele gehegt und dem Einflusse der Zeiten widerstrebend bewahrt werden, pflegen dann in großen Zeiten in mächtigen Persönlichkeiten ge- sammelt aufzutreten und diesen die hinreißende Kraft zu ge- währen. Dann, daß die in diesen psychischen Instinkten steckende generelle Intelligenz des Stammes in Zeiten, wo alle Hemmungen des Alltagslebens herabgesetzt sind, neben der