
Page 303 • Click to zoom
Page 303 of 568
251 to have. If we assume the effects of infinitesimal forces, over a very long time and with tremendously frequent repetition, then Semon's view can definitely be accepted as a finally for our understanding comprehensible mode of an engraphic construction of organisms by the external world towards a higher organic development. To reiterate: Supported by compelling facts, Semon shows that the effects of stimuli are initially localized only in their area of entry, but then radiate, or fade out, throughout the entire organism (not only in the nervous system, for they also act in plants). Semon shows further, however, how engraphic effects of a very weak kind can only lead to ecphory after countless repetitions (phylogenetically after count- less generations). And so the possibility of a colossally slow inheritance of acquired characteristics after countless repetitions can be explained by the mnemic principle, without the facts emphasized by Weismann* losing their validity. For the influences of crossbreeding and selective breeding naturally act—improvingly or devastatingly—immeasurably faster and more intensively than mnemic engraphies passed on to heirs after individual acquisition.** It corresponds far more to the scientific principle of tracing more complicated phenomena back to simpler regularities to derive everything, including the human intellect and will, from simpler elements, than the reverse method, to be rejected in principle, of taking the most complicated as unresolved, simple, and given in the premise and using it as an explanatory principle, as is practiced by the Weismannian school.
In the racial theories to date, the fixed idea prevails that the spiritual individuality of each race not only for a
-
- See p. 235.
- ** The latter might therefore explain de Vries’ mutations as well as the inheritance phenomena summarized as “Mendel’s Law.”
Show Original German Text
251 haben. Wenn wir die Wirkungen von infinitesimalen Kräften, in sehr langer Zeit und bei ungeheuer häufiger Wiederholung, annehmen, so läßt sich Semons Ansicht als endlich für unseren Verstand faßbarer Modus eines engraphischen Aufbaues der Organismen durch die Außenwelt zu einer höheren organischen Entwicklung unbedingt annehmen. Um zu wiederholen: An der Hand zwingender Tatsachen zeigt Semon, daß die Reizwirkungen zunächst nur in ihrem Eintnttsbezirke lokalisiert sind, dann aber im ganzen Or- ganismus (nicht nur im Nervensystem, denn sie wirken auch bei Pflanzen) ausstrahlen, resp. ausklingen. Semon zeigt aber im weiteren, wie engraphische Wirkungen sehr schwacher Art erst nach unzähligen Wiederholungen (phylogenetisch nach un- zähligen Generationen) zur Ekphone gelangen können. Und so läßt sich die Möglichkeit einer kolossal langsamen Vererbung erworbener Eigenschaften nach unzähligen Wiederholungen durch das mnemische Pnnzip erklären, ohne daß die von Weis- mann betonten Tatsachen* ihre Richtigkeit einbüßen. Denn die Einflüsse der Kreuzungen und der Zuchtwahl wirken na- türlich — verbessemd oder verheerend — ungeheuer viel rascher und intensiver als nach individueller Erwerbung an die Erben weitergegebene mnemische Engraphien.** Dem wissenschaftlichen Pnnzip, die komplizierteren Er- scheinungen auf einfacheren Gesetzmäßigkeiten zurückzuführen, entspncht es weit mehr, alles, auch den menschlichen Intellekt und Willen, aus einfacheren Elementen abzuleiten, als um- gekehrt die grundsätzlichen abzulehnende Methode, das kompli- zierteste unaufgelöst als einfach und gegeben in die Voraus- setzung zu nehmen und als Erklärungspnnzip zu verwenden, wie das von der Weismanschen Schule geübt wird. * * * In den bishengen Rassentheonen herrscht die fixe Idee, daß die geistige Individualität jeder Rasse nicht nur für eine * \* Siehe S. 235. * \*\* Letztere dürften daher de Vnes’ Mutationen sowie die als „Men- delsches Gesetz“ zusammengefaßten Vererbungserscheinungen erklären.