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249 velopment and regeneration can thus find at least a formal explanation. The inheritance of somatogenic characters Semon explains in the following way: All living substance is indeed irritable, but to very different degrees; in animals, in the course of phylogeny, an organ system has developed into a specialist for the reception and trans- mission of stimuli: the nervous system. Through it, all stimuli that affect any organ can be transmitted through the entire body and form engrams in all its parts, although in many parts only extraordin- arily weak ones, depending on the irritability of the respective cells. In this way, the germ cells are also, in a sense, kept up to date about everything that happens in the organism, through the creation of engrams, which, although much more weakly formed than in the respective organ that was first struck by the stimulus, are nevertheless in the germ cells and can be intensified, if the same stimulus is often repeated. For in non-nervous organs, the stimuli must generally act for a much longer time, or be repeated much more frequently, in order to produce en- graphic effects, whereas in nervous substances, a single short stimulus is often sufficient to create an easily detectable, long-lasting engram. In organisms without a nervous system, the stimuli must be transmitted from cell to cell, but even in them, they eventually reach the germ cells, and these contain to a large extent inherited and individually acquired en- grams, which then come into effect during the development of the germ cells into a new organism and impress upon the parts that they influence the stamp of the corresponding parental parts and their modifications. Thus we then obtain an inheritance of somatogenic modifications as well.* —
- Gaule has recently established in frogs that in organs entirely different from the sexual organs, processes take place that are related to sexual life. According to this re- searcher, there is no doubt that in the liver, in the muscles, and in other parts of the body, substances are produced that are used for the formation
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249 wicklung und Regeneration können so eine wenigstens formale Erklärung finden. Die Vererbung somatogener Charaktere legt sich Semnon in folgender Weise zurecht: Alle lebende Substanz ist zwar reizbar, aber in sehr verschiedenem Grade; bei den Tieren hat sich im Laufe der Stammesgeschichte ein Organsystem zu einem Spezialisten für die Aufnahme und Fort- leitung von Reizen ausgebildet: das Nervensystem. Durch dasselbe können alle Reize, die irgend ein Organ treffen, durch den ganzen Körper weitergeleitet werden und in allen Teilen desselben Engramme bilden, wenn auch in vielen nur außer- ordentlich schwache, je nach der Reizbarkeit der betreffenden Zellen. In dieser Weise werden auch die Keimzellen über alles, was in dem Organismus passiert, gewissermaßen auf dem Laufenden erhalten, durch Erzeugung von Engrammen, die, wenn auch viel schwächer ausgebildet als in dem betreffenden Organ, welches zunächst vom Reize getroffen wurde, doch in den Keimzellen vorhanden sind und gesteigert werden können, falls sich derselbe Reiz oft wiederholt. Denn bei nicht nervösen Organen müssen die Reize in der Regel sehr viel länger wirken, beziehungsweise sich sehr viel häufiger wiederholen, um en- graphische Wirkungen hervorzubnngen, während bei nervösen Substanzen oft ein einziger kurzer Reiz genügt, um ein leicht nachweisbares, lange Zeit haftendes Engramm zu erzeugen. Bei Organismen ohne Nervensystem müssen die Reize von Zelle zu Zelle weitergeleitet werden, aber auch bei ihnen ge- langen sie schließlich in die Keimzellen, und diese enthalten zum großen Teile vererbte und individuell erworbene En- gramme, die dann bei der Entwicklung der Keimzellen zu einem neuen Organismus zur Geltung gelangen und den Teilen, die sie beeinflussen, den Stempel der entsprechenden elterlichen Teile und ihrer Abänderungen aufdrücken. So erhalten wir dann eine Vererbung auch somatogener Abänderungen.* — * Gaule hat beim Frosche neuerdings festgestellt, daß in noch ganz anderen Organen als in den Geschlechtswerkzeugen sich Vorgänge abspielen, die auf das Geschlechtsleben Bezug haben. Nach der Ansicht dieses For- schers unterliegt es keinem Zweifel, daß in der Leber, in den Muskeln und in anderen Körperteilen Stoffe erzeugt werden, die für die Bildung