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240 Weismann's theory is therefore unsatisfac- tory. However, another theory has now appeared on the scene, one that casts a bright light on the entire field of the question of heredity: Semon's engram theory. A number of years ago, the physiologist Ewald Hering, in a lecture titled "On Memory as a General Function of Organized Matter," pointed out that there is evidently an agreement between the reproductive capacity of heredity, that of habit and practice, and those phenomena that we designate as "memory." But only recently has Semon* undertaken, with the help of the magnificent material of morphology, biology, and psychology, to provide the proof that in these cases it is a matter of more than a super- ficial similarity, but rather a complete identity of the process, that stimuli, by acting upon our nervous system, store certain impressions in it, and that these imprints, upon the reappearance of the same or an analogous stimulus, lead to specific brain activities, or rather, are processed into states of consciousness." — For these imprints, Semon has introduced the term "engrams" into science, and the totality of those imprints (or engrams) is what, according to his view, constitutes the "mnemic principle" (derived from the Greek word for "I remember") that is widespread throughout the entire organic world. In the peculiarity of living substance not only to be temporarily, but permanently altered by stimuli and to transmit such permanent changes, engrams, to its descendants, we are to see, according to Semon, the conserving principle in the flux of organic events, the key to the entire problem of heredity. For all organic substance, a specific regularity can be demonstrated with regard to its temporary and permanent
- Semon; The Mneme as the Conserving Principle in the Change of Organic Events; 1904.
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240 Die Weismannsche Theone also befne- digt nicht. Wohl aber ist gegenwärtig eine andere Theone auf den Plan getreten, die helles Licht wirft auf das ganze Gebiet der Vererbungsfrage: die Engramm-Theone Semons. Schon vor einer Reihe von Jahren hat der Physiolog Ewald Henng in einem Vortrage: „Über das Gedächtnis als allgemeine Funktion der organischen Matene“ darauf hinge- wiesen, daß offenbar eine Übereinstimmung besteht zwischen dem Reproduktionsvermögen der Vererbung, demjenigen der Gewohnheit und Übung und jenen Erscheinungen, die wir als „Gedächtnis“ bezeichnen. Aber erst neuerdings hat Semon* es untemommen, an der Hand des großartigen Matenals der Morphologie, der Biologie und der Psychologie den Nachweis zu liefem, daß es sich in diesen Fällen um mehr als eine ober- flächliche Ähnlichkeit, daß es sich vielmehr um eine vollstän- dige Identität des Geschehens handelt, daß die Reize, indem sie auf unser Nervensystem einwirken, in demselben gewisse Eindrücke aufspeichem, und daß diese Einprägungen beim Wiederauftreten des nämlichen oder eines analogen Reizes zu bestimmten Himtätigkeiten, bezw. Bewußtseinszuständen ver- arbeitet werden.“ — Für diese Einprägungen hat Semon die Bezeichnung „Engramme“ in die Wissenschaft eingeführt und die Gesamtheit jener Einprägungen (bezw. Engramme) ist es, die nach seiner Anschauung das in der gesamten orga- nischen Welt verbreitete „mnemische Pnnzip“ (abgeleitet vom gnechischen Worte für „ich ennnere mich“) darstellt. In der Eigentümlichkeit der lebendigen Substanz, durch Reize nicht nur vorübergehend, sondem dauemd verändert zu werden und solche dauemde Veränderungen, Engramme, den Nachkommen zu übermitteln, haben wir nach Semon das erhal- tende Pnnzip im Wechsel des organischen Geschehens zu er- blicken, den Schlüssel zum ganzen Vererbungsproblem. Für alle organische Substanz ist eine bestimmte Gesetz- mäßigkeit in Bezug auf ihre vorübergehende und dauemde Be- * Semon; die Mneme als erhaltendes Pnnzip im Wechsel des organi- schen Geschehens; 1904.