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238 versa. And — these adaptations were passed on to the offspring, the acquired characteristics were inherited. Despite the objections raised here as well, that these characteristics may have already been virtually pre-formed and were not created by the new milieu, but merely “triggered” — selected — the competent scholarly circles have dismissed this doctrine and awarded Kammerer one of the greatest honors for his services to biology, the Sömmering Prize of 1909. A portion of natural scientists, namely physicians, have never abandoned Lamarck's standpoint that "everything that nature causes individuals to acquire or lose is transmitted through inheritance," for they in particular are too much convinced of the correctness of Lamarck's theory in practical life through constant observations of the transmission of acquired pathological conditions and also the resistance acquired against them. "No one will doubt that the hereditary predispositions to disease in certain families, if one goes back in the family tree, must lead to an ancestor who no longer inherited them, but acquired them. The fact that amputated arms and legs and mutilations like circumcision are generally not inherited proves nothing, for these are too crude and blatant interventions into the typical idea of the species for one to expect their realization in the child" (v. Hartmann). Weismann's theory, therefore, insofar as it asserts the non- inheritability of acquired characteristics, has the flaw that it does not correspond to the facts now available. If, however, in the sense of the objections to the cited experiments, we interpret the theory of the heritability of purely blastogenic characteristics so broadly that all changes of characteristics arising from artificial modification of the milieu are also—just like the regularly manifesting characteristics—already virtually pre-formed and only latent in the germ-plasm, that these therefore
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238 gekehrt. Und — diese Anpassungen sind auf die Nachkommen übergegangen, die erworbenen Eigenschaften wurden vererbt. Trotz der auch hier erhobenen Einwände, daß diese Eigenschaften schon virtuell vorgebildet gewesen sein mögen und durch das neue Milieu nicht erzeugt, sondem bloß „aus- gelöst“ — selektiert — wurden, haben die kompetenten Ge- lehrtenkreise von dieser Lehrmeinung abgesehen und Kammerer für seine Verdienste um die Biologie eine der größten Aus- zeichnungen, den Sömmenng-Preis 1909, zuerkannt. Ein Teil der Naturforscher, nämlich die Ärzte, haben den Standpunkt Lamarcks, daß „alles, was die Natur, die Indi- viduen erwerben oder verlieren läßt, durch Vererbung über- tragen werde,“ nie verlassen, denn gerade sie werden zu sehr im praktischen Leben durch fortwährende Beobachtungen von der Übertragung erworbener krankhafter Zustände und auch der dagegen erworbenen Widerstandsfähigkeit von der Rich- tigkeit der Lamarckschen Theone überzeugt. „Niemand wird bezweifeln, daß die in gewissen Familien erblichen Krankheitsanlagen, wenn man im Stammbaum rück- wärts geht, auf einen Vorfahren hinführen müssen, der sie nicht mehr ererbt, sondem erworben hat. Daß sich amputierte Arme und Beine und Verstümmelungen wie die Zirkumzision in der Regel nicht vererben, beweist nichts, denn es sind zu grobe und handgreifliche Eingnffe in die typische Idee der Gattung, als daß man ihre Realisation im Kinde erwarten könnte“ (v. Hartmann). Die Theone Weismanns hat also, soweit sie die Nicht- vererbbarkeit erworbener Eigenschaften behauptet, den Fehler, daß sie den jetzt vorliegenden Tatsachen nicht entspncht. Fassen wir aber im Sinne der Einwände gegen die an- geführten Expenmente die Theone von der Vererbbarkeit bloß blastogener Eigenschaften so weit, daß alle durch künstliche Modifikation des Milieus entstehenden Veränderungen von Eigenschaften ebenfalls — geradeso wie die ordnungsmäßig sich manifestierenden Eigenschaften — schon früher im Keimplasma virtuell vorgebildet und nur latent gewesen seien, daß also diese