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225 deliberation cannot intervene in a modifying way at all and on the other hand developed central organs are lacking. Here, of course, the mechanical character of the instinctive predispositions is much more glaringly obvious.
This type of origin of instincts, as purely mechanical adaptations and as germinal variations subject to selection, is, however, ultimately decisive only for the great majority of them.
But in humans and in the higher animals, on the basis of these primary ones, there is undoubtedly also a large complex of secondary instincts,* which, according to the principle of the inheritance of acquired characteristics to be discussed later, can be understood as intellectual activity that has become hereditary.
In a concrete case, it may often be difficult enough to decide how much of the changes in instincts is to be attributed to the mere success of natural selection and how much to the addition of purposeful modifications from conscious deliberation. But regardless of whether in a particular case the modifications result more from the preservation of accidental individual differences or more from rational modifications through-
- When deaf-blind girls, upon the onset of puberty, develop the full modesty of their sex against the touch of male persons, masses of ideas emerge from previously latent dispositions, which, given the lack of corresponding instruction and education, can only be described as memory dispositions, which originate from the constituted heredity of similar masses of ideas in the female line and, like all heredity, unfold into actuality at the same time as was the case in their ancestors. When unclothed women are surprised, they reflexively try to protect themselves from strange glances, and indeed all in a characteristic way. The process, carried out almost unconsciously each time, is not the result of a special deliberation, but of an acquired psychic instinct, as is evident from the above.) From the fact that the women of our peoples cover their pudenda and breasts, Turkish women their faces, Chinese women their feet (Stratz), we can recognize in this reflex the inheritance of an acquired instinct, which proceeds in different paths in different peoples, since the feeling of shame also has a different form in different peoples. We see the inheritance of an acquired instinct, artificial, thus secondary, is different in different peoples.
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225 Überlegung gar nicht modifizierend eingreifen kann und ander- seits ausgebildete Zentralorgane fehlen. Hier spnngt der mecha- nische Charakter der instinktiven Prädispositionen natürlich noch viel greller in die Augen. Diese Art des Ursprunges der Instinkte, als rein mecha- nische Anpassungen und als der Selektion unterliegende Keimes- vanationen, ist aber schließlich doch nur für die große Über- zahl derselben maßgebend. Es gibt aber beim Menschen und bei den höheren Tieren auf der Basis dieser pnmären, zweifellos noch einen großen Komplex sekundärer Instinkte,* die man nach dem später zu erörtemden Pnnzip der Vererbung erworbener Eigenschaften als erblich gewordene Verstandesthätigkeit auffassen kann. Im konkreten Falle mag es oft schwer genug zu entschei- den sein, wie viel von den Änderungen der Instinkte dem bloßen Erfolg der natürlichen Zuchtwahl und wieviel der Addition von zweckmäßigen Modifikationen aus bewußter Überlegung zuzu- schreiben sei. Aber gleichviel, ob im besonderen Falle die Ab- änderungen mehr aus der Erhaltung zufälliger individueller Differenzen oder mehr aus rationellen Modifikationen durch- * Wenn blindtaubstumme Mädchen mit dem Eintntt der Pubertät die volle Schamhaftigkeit ihres Geschlechtes gegen die Berührung männlicher Personen entwickeln, so treten Vorstellungsmassen aus zuvor latenten Dispositionen heraus, welche bei dem Mangel entsprechender Belehrung und Erziehung nur als Gedächtnisdispositionen bezeichnet werden können, die von der konstituierten Vererbung ähnlicher Vorstellungsmassen in weiblicher Linie herrühren und, wie alle Vererbung-n, sich zu derselben Zeit zur Aktualität entfalten, wie dies in den Vorfahren der Fall war. Wenn unbekleidete Frauen überrascht werden, trachten sie reflex- artig sich vor fremden Blicken zu schützen, und zwar alle in charakte- nstischer Weise. Der jedesmal fast unbewußt vollzogene Vorgang ist nicht Resultat einer speziellen Überlegung, sondem eines erworbenen psychischen Instinktes, wie aus obigem hervorgeht.) Daran nun, daß die Frauen unserer Völker Scham und Brüste, Türkinnen ihr Gesicht, Chine- sinnen ihre Füße bedecken (Stratz), können wir in diesem Reflex die Ver- erbung eines erworbenen Instinktes erkennen, der bei verschiedenen Völ- kem in verschiedenen Bahnen verläuft, da eben auch das Schamgefühl bei verschiedenen Völkem eine verschiedene Form hat. Wir sehen die Ver- erbung eines erworbenen Instinktes, artifiziell, also sekundär bei verschiedenen Völkem verschieden.