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226 This is roughly how the theory of evolution explains the organic worldview—an explanation that is almost universally satisfying and is also almost universally accepted.
Our task now is to investigate whether the views on the origin of instincts as well as on their consolidation and preservation for all further successive generations can be reconciled with this worldview and with individual experiences.*
That states of consciousness are not involved in the instinctual actions of the lower animals, although through the regularity and purposefulness of their procedures they not infrequently give the appearance of rational actions, has been proven by the experiments—to be mentioned later—conducted by Fabre with the digger wasp. While on the one hand it cannot be denied that this natural drive, which is called instinct, supports the individual animal species in the structure of their lives in the most wonderful way and usually proves to be a reliable guide in the acquisition of food, in self-preservation, and in the raising of offspring, on the other hand there is no lack of evidence that instinct does not always and not under all circumstances work with correct factual knowledge, and that it often becomes pernicious for the offspring, without benefiting the species. — The insects, attracted by candlelight, fly towards a certain death. The cattle and horses, which one tries to rescue from a burning stable, run back into the flames. The American ostrich scatters the majority of its eggs across the land, so that they inevitably perish. The cuckoo sometimes lays
- A work—stylistically difficult, it is true, but brilliant in content— which succeeds in establishing the missing connections between physiology and psychology precisely in these contentious areas, comes from the anonymous author of a book published decades ago, "The Philosophy of the Unconscious from the Standpoint of Physiology and the Theory of Descent," who is, however, apparently Eduard v. Hartmann himself. The expositions on the following pages take much from his material.
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226 So ungefähr erklärt die Entwicklungslehre das organische Weltbild, — eine Erklärung, die fast allgemein befnedigt und die auch fast allgemein akzeptiert wird. Unſere Aufgabe nun ist es, zu unterſuchen, ob ſich die Anſichten über die Entstehung der Instinkte ſowie über ihre Befestigung und Erhaltung für alle weiteren Generationenfolgen mit dieſem Weltbilde wie mit den Einzel- erfahrungen in Einklang bnngen laſſen.* Daß bei den Instinkthandlungen der niederen Tiere, ob- wohl ſie durch die Regelmäßigkeit und Zweckmäßigkeit des Ablaufes ihrer Prozeduren nicht allzuſelten den Schein von Vemunfthandlungen hervorrufen, Bewußtseinszustände nicht beteiligt ſind, hiefür haben die — später noch zu erwähnenden — von Fabre mit der Grabwespe angestellten Verſuche den Beweis geliefert. Während einerſeits nichts zu verkennen ist, daß jener Naturtneb, den man als Instinkt bezeichnet, die ein- zelnen Tierarten in ihrem Lebensaufbau in der wunderbarsten Weise unterstützt und ſich ihnen in der Regel als ein zuver- läſſiger Ratgeber beim Nahrungserwerbe, bei der Selbst- erhaltung und bei der Aufzucht der Nachkommenschaft be- währt, fehlt es anderſeits doch nicht an Beweiſen dafür, daß der Instinkt nicht immer und nicht unter allen Umständen mit nchtiger Sachkenntnis arbeitet, und daß er oftmals ver- derblich für die Nachkommenschaft wird, ohne der Art zu nützen. — Die Inſekten fliegen, vom Kerzenscheine angelockt, einem ſicheren Tode entgegen. Das Rindvieh und die Pferde, die man aus einem brennenden Stalle zu retten ſucht, rennen wieder in die Flammen hinein. Der amenkanische Strauß zerstreut den größten Teil ſeiner Eier über das Land, ſo daß ſie unabwendbar zugrunde gehen. Der Kuckuck legt manchmal * Eine — stilistisch zwar schwere aber inhaltlich glänzende — Arbeit, der es gelingt, gerade auf dieſen stittigen Gebieten die fehlenden Ver- bindungen zwischen Phyſiologie und Psychoſogie herzustellen, stammnt von dem anonymen Verfaſſer eines vor Jahrzehnten erschienenen Buches „Die Philoſophie des Unbewußten vom Standpunkte der Phyſiologie und De- ſzendenztheone“, der aber offenbar Eduard v. Hartmann ſelbst ist. Die Ausführungen der nächstfolgenden Seiten entnehmen manches von ſeinem Matenal.