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222 gate the problem of heredity. The laws found so far through historical analysis, that is, by inductive means, can only claim real value if they can also be properly justified deductively. For it is the nature of all induction that it is incomplete and that its conclusions can only be drawn per analogiam. Only where it is possible to prove that which was inferred through analogies is at the same time merely a manifestation of great general laws, which we regard as truths, do hypotheses become theories and these become laws. If we were to succeed in this way in explaining the value of our historico-philosophical studies scientifically, or in other words, if we manage to find a bridge from the psychology of peoples to general physiology, only then could we say that we feel firm ground and soil beneath us. The mysterious processes of the inheritance of typical characteristics, the emergence of peculiar talents and skills, the appearance of innate instincts, are now an object of exact scientific observation and research. We must therefore now venture into the field of heredity if we want to gain a clear insight into the heritability of psycho-intellectual characters and into the various aspects of the race problem in general. The assumption of the specific character of the individual racial psychologies is the linchpin of all previous racial theories. For if racial characters were not each of a special peculiarity and of unchangeable constancy, but rather malleable and dependent on external influences, then from the outset only the milieu theory would have to be used to explain the actions of peoples. But the thesis of the eternal constancy of racial characteristics leads over to the general problem of heredity, where at present two great schools likewise face each other in the same struggle: Weismann's school asserts the rigidity, its opponents the modifiability of all species characters in the entire organic world.
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222 Suchung des Vererbungsproblems. Die bisher durch histonsche Analyse, also auf induktivem Wege gefundenen Geseze haben nur dann Anspruch auf wirklichen Wert, wenn sie auch deduktiv gehöng begründet werden können. Denn es ist das Wesen aller Induktion, daß sie lückenhaft ist und daß ihre Schlüsse nur per analogiam erfolgen können. Erst dort, wo es gelingt, das durch Analogieschlüsse Gefolgerte gleichzeitig auch als bloße Mani- festation großer allgemeiner Geseze zu erweisen, die wir als Wahrheiten betrachten, werden die Hypothesen zu Theonen und diese zu Gesezen. Wenn es uns auf diese Art gelingen würde, den Wert unserer geschichtsphilosophischen Studien natur- wissenschaftlich zu erläutem, oder mit anderen Worten, wenn wir es zustande bnngen, von der Psychologie der Völker zur allgemeinen Physiologie eine Brücke zu finden, erst dann könnten wir sagen, daß wir festen Grund und Boden unter uns fühlen. Die geheimnisvollen Vorgänge der Vererbung typischer Eigenschaften, der Entstehung eigenartiger Talente und Fertig- keiten, des Auftretens angeborener Instinkte, werden jezt ein Gegenstand exakter naturwissenschaftlicher Beobachtung und Forschung. Auf das Gebiet der Vererbungslehre müssen wir uns daher jezt begeben, wenn wir über die Vererbbarkeit psychisch-intellektueller Charaktere und über die verschiedenen Seiten des Rassenproblems überhaupt zur klaren Einsicht ge- langen wollen. Die Annahme von dem spezifischen Charakter der einzelnen Rassenpsychologien ist der Angelpunkt allerbishengen Rassentheonen. Denn wären die Rassencharaktere nicht jeder von besonderer Eigenart und von unveränderlicher Kon- stanz, sondem bildsam und von den äußeren Einflüssen ab- hängig, so müßte von vomherein bloß die Milieutheone zur Er- klärung des Wirkens der Völker herangezogen werden. Die These aber von der ewigen Konstanz der Rasseneigenschaften führt hinüber zum allgemeinen Vererbungsproblem, wo gegen- wärtig ebenfalls im gleichen Kampfe zwei große Schulen ein- ander gegenüberstehen: Die Schule Weismanns behauptet die Starrheit, ihre Gegner die Modifikabilität sämtlicher Gattungs- charaktere in der ganzen organischen Welt.