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217 It cannot be pure chance that cultural creation always reaches its peak where trade and traffic flourish most, and that it is always strongest precisely when the country's merchants are richest.
Is world trade always drawn to where the most culturally vigorous people reside, or is the strongest political power the magnetic pole that attracts it?
The answer is that we find world trade and cultural achieve- ments where cultural ability and political power coin- cide. The one factor without the oth- er is always condemned to lie fallow.
We recognize the almost undeniable co-dependence of all culture on the simultaneous economic boom of world trade in the fact that the most gifted peoples of antiquity became culture- less when world trade withdrew from their territories; we recognize it in the fact that peoples previously quite insignificant culturally, when world traffic draws them into its sphere, rise to a great flowering; furthermore, in the fact that old, formerly cultu- rally rich peoples, whom one had long believed to be stagnant, then suddenly reawaken to a surprisingly fresh, new life, when circumstances, as for example now with the Japanese, permit them to re-enter the ring of the great trading nations. Peoples of different talents will, according to their intellectual resilience, reach different heights in cultural activity –– and Turkey, the embryonic stirrings in Persia and even in China, do not allow the assumption to be entirely dismissed that in this significant, constant shifting of the main trade lines, the center of gravity of goods production and world traffic on its circular path around the globe will one day, in a time still distant now, also return to the ancient cultural regions of Asia. In such a case — if one could travel with ease on the already projected railway from Cape Town via Cairo and Baghdad to Turkestan or Calcutta, from there to Beijing and Vladivostok — it would not be — by all analogies to date — out of the question that the population of these lands, now turned into poor, superstitious zealots despite their well-known great inherited natural intelligence, would then rise from their millennia- old passivity and shatter the restrictive, rigid, "Asiatic" cultural forms that now suffocate all free, active life.
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217 Es ist unmöglich purer Zufall, daß das kulturelle Schaffen immer dort den Höhepunkt erreicht, wo Handel und Verkehr am meisten blühen, und daß es immer gerade dann am kräftig- sten ist, wenn die Kaufleute des Landes am reichsten ſind. Zieht ſich der Welthandel immer dorthin, wo das kultur- kräftigste Volk ſitzt, oder ist die stärkste politische Macht der Magnetpol, der ihn anzieht? Die Antwort lautet, daß wir Welthandel und Kulturleistun- gen dort finden, wo Kulturfähigkeit und politische Macht zu- ſammentreffen. Der eine Faktor ist ohne den an- deren stets zum Brachliegen verurteilt. Wir erkennen die kaum zu leugnende Mitabhängigkeit aller Kultur von der gleichzeitigen Hochkonjunktur des Welthandels dann, daß die begabtesten Völker des Altertums kulturlos wurden, als der Welthandel ſich aus ihren Gebieten zurückzog, wir erkennen ſie dann, daß vorher kulturell ganz unbedeutende Völker, wenn der Weltverkehr ſie in ſeinen Bereich zieht, zu hoher Blüte gelangen, femer dann, daß alte, ehemals kultur- reiche Völker, die man aber längst erstarrt glaubte, dann plötz- lich wieder zu überraschend fnschem, neuem Leben erwachen, wenn es ihnen, wie zum Beispiel jetzt den Japanem, die Um- stände gestatten, in den Ring der großen Handelsvölker wieder einzutreten. An Begabung verschiedene Völker werden je nach ihrer geistigen Spannkraft verschiedene Höhen in der Kulturbetätigung –– und der Türkei, die embryonalen Regungen in Perſien und ſogar in China laſſen die Annahme nicht ganz von der Hand weiſen, daß bei dieſem be- deutſamen steten Vorschieben der Haupthandelslinien der Schwerpunkt der Güterproduktion und des Weltverkehrs auf der Kreisbahn über den Erdball einst, in einer jetzt noch femen Zeit, auch in die uralten Kultur- gebiete Aſiens wieder zurückkehren wird. In einem ſolchen Falle — wenn man mit Leichtigkeit auf der bereits projektierten Eiſenbahn von Kap- stadt über Kairo und Bagdad nach Turkestan oder Kalkutta, von dort nach Peking und Wladiwostok wird fahren können — wäre — nach allen biſhengen Analogien nicht ausgeschloſſen, daß die trotz ihrer bekannt großen angeerbten natürlichen Intelligenz jetzt zu armen, abergläubischen Zeloten gewordene Bevölkerung dieſer Länder dann aus ihrer Jahrtausende alten Paſſivität ſich erheben und die beenhenden, erstarrten, jetzt alles freie aktive Leben erstickenden „aſiatischen“ Kulturformen zersprengen wird.