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215 age. The best products of the German folk epic, the Nibe- lungenlied and the Gudrunlied, originated then. This was the time of Hartmann von der Aue, Gottfried von Strassburg, Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide. A simultaneous flare-up of science, as was possible for the Germany of that time, is shown by the reports about Albertus Magnus. And curiously! it was precisely in the lands of Southern Germany that this first great German cul- ture arose, thus not only precisely in the period in which, immediately after the Crusades, the suddenly increased needs brought forth a brisk trade activity, but precisely there, where the trade routes leading from Italy over the Alps terminated in the north. To be sure, Germany did not enjoy such a permanence of economic boom as England. The Thirty Years' War ravaged the country and set it back by centuries. — Every secondary school student knows that this period of economic decline was also a period of cul- tural impoverishment.
Germany's second classical period began slow- ly, as the people gradually began to recover from the terrible economic damage of the Thirty Years' War. It was then that its first great philosophers and poets arose again. Prosperity rose in the first half of the eighteenth century, albeit slowly and often interrupted, but still with visible progress. The German ports filled with ships again and facilitated a fruitful exchange of German and foreign goods. But it was only through the governments of Frederick the Great and Emperor Joseph II, with their magnificent promotion of trade and industry, and through the triumphant advance of the Enlightenment originating from France, which took up the fight against corrupt abuses and dismal public conditions, that the prosperity and national consciousness of the German bourgeoisie arose. From this milieu grew the men who created the classicism of Germany at that time.
Relatively short repressions, like the decline of Germany in the Napoleonic era and afterward the period of the Reaction, did not last long and were not strong enough
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215 zeit. Die besten Produkte der deutschen Volksepik, das Nibe- lungen- und das Gudrunlied entstanden damals. Dies war die Zeit Hartmanns von der Aue, Gottfneds von Straßburg, Wolframs von Eschenbach, Walthers von der Vogelweide. Ein gleichzeitiges Aufflammen der Wiſſenschaft, wie ſie für das damalige Deutschland möglich war, zeigen die Benchte über Albertus Magnus. Und merkwürdig! gerade in den Län- dem Süddeutschlands entstand dieſe erste große deutsche Kul- tur, alſo nicht nur gerade in der Zeit, in welcher unmittelbar nach den Kreuzzügen die plötzlich gesteigerten Bedürfniſſe eine rege Handelstätigkeit hervornefen, ſondem gerade dort, wo die aus Italien über die Alpen führenden Handelsstraßen nach Norden mündeten. Allerdings erfreute ſich Deutschland keiner ſolchen Permanenz der Hochkonjunktur wie England. Der dreißigjähnge Kneg zerfleischte das Land und warf es um Jahrhunderte zurück. — Jeder Mittelschüler weiß, daß dieſe Zeit des wirthschaftlichen Niedergangs auch eine Zeit kul- tureller Verarmung war. Die zweite Klaſſizitätspenode Deutschlands begann lang- ſam, als das Volk ſich allmählich von den furchtbaren wirt- schaftlichen Schäden des dreißigjähngen Kneges zu erholen begann. Damals erstanden ihm wieder die ersten größeren Phi- loſophen und Dichter. Der Wohlstand hob ſich in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts zwar langſam und oft unterbrochen, aber doch in ſichtbarem Fortschntte. Die deut- schen Häfen füllten ſich wieder mit Schiffen und vermittelten einen fruchtbaren Austausch deutscher und ausländischer Waren. Aber erst durch die Regierungen Fnednchs des Großen und Kaiſer Joſef II. mit deren großartigen Handels- und Industneförderungen, durch den von Frankreich ausgehenden Siegeszug der Aufklärung, die den Kampf mit verrotteten Miß- bräuchen und trübſeligen öffentlichen Zuständen aufnahm, ent- stand der Wohlstand und das Nationalbewußtſein des deut- schen Bürgerstandes. Aus dieſem Milieu wuchſen die Männer hervor, die die damalige Klaſſizität Deutschlands schufen. Relativ kurze Repreſſionen, wie der Niedergang Deutsch- lands in der Napoleonischen Ära und nachher die Zeit der Reaktion, währten nicht lange und waren nicht stark genug.