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206 during the entire course of history, there were only so few that can be designated as the creators of the highest cultural achievements. The assumption therefore seemed natural that precisely these were distinguished from the very beginning by a particularly fortunate, ingenious racial disposition that impelled them to creative activity.
But if we look attentively at the individual great stages of cultural history, we see as causal moments for the greatest epochal achievements, alongside the innate ethnic ability, another important factor at work, one that is usually neglected because of its triviality. And these are the culture- promoting and culture-inhibiting effects of world commerce with its consequences of national wealth, or rather, of national poverty.
With the increasing opening up of the world, world commerce also gained ever more advanced positions, and to the degree that world trade constantly drew new countries and continents into its sphere and left its former domains, we see with a clarity that allows for almost no other interpretations, the promotion of culture and cultural production on the one hand, and the role of the respective country in world commerce and the possession of wealth on the other hand, in such a constantly recurring relationship of dependence to one another, that one would be tempted to posit the principle of “post hoc, ergo propter hoc” here.
We know that the first seeds of higher culture sprouted in that belt of countries which stretches from Egypt across Mesopotamia and India to China. We also know today that even in this belt of countries, culture had already blossomed to an incredibly high degree. Admittedly, it will never be possible to determine with certainty to which circumstances this most important social role fell back then, that of stimulating the first advances of culture. But on this, cultural historians and sociologists agree, that this developmental progress was only possible when humanity had already risen from the lowest social states of aggregation and a certain division into farmers, herdsmen, and warriors had occurred.
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206 während des ganzen Geschichtsverlaufes nur so wenige waren, die als die Schöpfer der höchsten Kulturleistungen bezeichnet werden können. Die Annahme schien daher natürlich, daß ge- rade diese von Anbeginn her durch eine ganz besonders glück- liche, zu schöpfenscher Betätigung drängende, geniale Rassen- beanlagung ausgezeichnet waren. Blicken wir aber mit Aufmerksamkeit auf die einzelnen großen Etappen der Kulturgeschichte, so sehen wir als ur- sächliche Momente für die größten epochalen Leistungen neben der angeborenen ethnischen Befähigung noch einen anderen wichtigen Faktor am Werke, den man wegen seiner Tnvialität zu vemachlässigen pflegt. Und zwar sind das die die Kultur fördemden und hemmenden Wirkungen des Weltver- kehres mit seinen Folgen des nationalen Reichtums. resp. der nationalen Armut. Mit der zunehmenden Erschließung der Welt gewann auch der Weltverkehr stets vorgerücktere Positionen und in dem Grade, wie der Welthandel stets neue Länder und Erdteile in seinen Bereich zog und seine früheren Domänen verließ, sehen wir mit einer Klarheit, die andere Deutungen fast nicht zu- läßt, die Kulturförderung und Kulturproduktion einerseits, sowie die Rolle des betreffenden Landes im Weltverkehr und den Besitz an Reichtum andererseits zueinander in einem solchen stets wiederkehrenden Abhängigkeitsverhältnisse, daß man versucht wäre, hier den Satz des „post hoc, ergo propter hoc“ aufzustellen. Wir wissen, daß die ersten Keime zur höheren Kultur in jenem Ländergürtel aufsprossen, der sich von Ägypten über Mesopotamien und Indien nach China hinzieht. Wir wissen gleichzeitig heute auch, daß schon in diesem Ländergürtel die Kultur zu unglaublich hoher Blüte gediehen war. Es wird zwar nie mit Sicherheit festgestellt werden können, welchen Umstän- den damals diese wichtigste soziale Rolle zufiel, die ersten Kul- turfortschntte anzuregen. Darüber aber sind Kulturhistonker und Soziologen einig, daß dieser Entwicklungsfortschntt nur möglich war, als sich die Menschheit bereits aus den niedersten sozialen Aggregatzuständen erhoben hatte und eine gewisse Gliederung in Ackerbauer, Hirten, Kneger eingetreten war.