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188 but on their physical character, on their physiognomy. Among hundreds of different nationalities, one recognizes not only the Jew, the German, and the Mongolian, but also the peasant, the worker, the servant, the scholar, the clergyman, the aristocrat, etc. Experience has shown that a stay of years or decades among a people of pronounced cultural character assimilates any foreigner to this people in their entire exterior, demeanor, and appearance. Thus, even the physiognomic character, the type of a people, is to be explained not only by anthropological but also by social causes, and so we can gain an understanding of how it becomes possible that individual foreigners who happen into such a group adopt its type. The influence of the social element, which can even change the physical character of a person, has certainly reshaped the individual's spirit even earlier, has certainly remolded the inner person all the more easily, has also exerted the influence on their thoughts and views, on their feelings and attitudes, which then reveals itself in the entire outer habitus. "Cuius regio, eius superstitio," one could always assert here with a variation. The influence of economic position on the mental habitus of the individual, however, is particularly enormous. The member of the middle class is raised in the tradition of "business." Trade and commerce and the profit resulting from them hover before him as ideals from childhood. He sees before him multiple examples of acquired wealth. To "hunt" for fortune (a thought unknown to the peasant and which also rarely attracts the "master") is the great goal that exerts its attraction on the members of the middle class. He learned early on that skillful work and resourcefulness lead to this goal — all his thinking moves in this direction. Within the middle class itself, the mindset and direction of thought of the artisan must take a completely different shape from that of the merchant or even the shipowner. Among the merchants themselves, a different spirit must arise, depending on whether the
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188 sondem auf dessen physisches Gepräge, auf dessen Physiognomie einen nicht abzuläugnenden Eindruck übt. Man erkennt unter Hunderten verschiedener Nationalitäten nicht nur den Juden, den Deutschen und Mongolen, sondem den Bauer, den Arbeiter, Bedienten, Gelehrten, Geistlichen, Anstokraten usw. Man hat die Erfahrung gemacht, daß ein jahrelanger oder jahrzehntelanger Aufenthalt unter einem Volke von ausgespro- chenen Kulturgepräge jeden Fremden diesem Volke in seinem ganzen Äußeren, Auftreten und Aussehen assimiliert. Also sogar der physiognomische Charakter, der Typus eines Volkes, ist nicht allein durch anthropologische, sondem auch durch soziale Ursachen zu erklären und so können wir ein Ver- ständnis dafür gewinnen, wie es möglich wird, daß einzelne Fremde, die in eine solche Gruppe hineingeraten, den Typus derselben annehmen. Der Einfluß des sozialen Elementes, der sogar das physische Gepräge des Menschen ändem kann, hat aber gewiß den Geist des Individuums schon früher umgeformt, hat den inneren Menschen gewiß um so leichter umgeprägt, hat auch auf die Gedanken und Anschauungen, auf die Gefühle und Gesinnungen desselben den Einfluß geübt, der sich dann in dem ganzen äußeren Habitus verrät. „Cuius regio, eius superstitio“ könnte man mit einer Vanante da stets behaupten. Namentlich der Einfluß der wirtschaftlichen Stellung auf den geistigen Habitus des Individuums jedoch ist enorm. Der Angehönge des Mittelstandes wird in der Tradition des „Geschäftes“ erzogen. Handel und Gewerbe und der aus den- selben resultierende Gewinn schweben ihm von Kindesbeinen als Ideale vor. Er sieht vor sich vielfache Beispiele erworbener Reichtums. Das Glück zu „erjagen“ (ein Gedanke, den der Bauer nicht kennt und der auch den „Herm“ nur selten an- lockt), ist das große Ziel, das auf die Angehöngen des Mittel- standes seine Anziehung ausübt. Er hat es früh erfahren, daß geschickte Arbeit und Findigkeit zu diesem Ziele führen — all sein Denken bewegt sich in dieser Richtung. Im Mittelstande selbst muß der Sinn und die Gedanken- nchtung des Handwerkers sich ganz anders gestalten wie der des Kaufmannes oder gar des Schiffsherm. Unter den Kaufleuten selbst muß ein verschiedener Geist entstehen, je nachdem der