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177 Let us summarize: It does not occur to us to deny that the Germanic peoples possess the most excellent qualities, which undisputed place them at the head of the great cultural races, although of course the rich heritage of antiquity, the foreign influences from outside, and the invaluable cooperation of countless elements of non-Germanic descent within must not be forgotten. But all this has come to be, achieved through laborious cultural work. Only foolishness can see "Germanic" heritage in everything excellent, and "foreign" influence in everything bad. The character traits of primeval times that are presented as specifically Germanic prove to be such as appear in all primitive peoples at the same stage of development, and indeed in the most astounding similarity to them. Our depiction of the older Germanic conditions sheds light on two other phrases, namely the asserted "love of freedom" and the "political talent" of the Germans. Dahn repeatedly rejects the assertion of the political ability of those founders of states; it also sounds like a real mockery of history. The little bit of administration was based on the remnants of Roman culture. Latin-writing monks and Roman senators took care of the most urgent requirements in the old forms. Contrary to the racially proud assertion that "loyalty, respect for greatness, and everything noble in general" are foreign to non-Germanic peoples, a look into the prehistory of these Germanic peoples has thus taught us what the situation was like among them themselves in the beginnings of their history. With the sole possession of the noblest character traits is now supposedly also combined a quite exceptional mental disposition. For the Germanic racial soul alone is said to possess the capacity for creative formation, and only when the seeds of new great ideas have been brought by it to the other cultureless primitive populations, could the intelligences of second and third rank of the other peoples — not through creation, but through the processing of these seed ideas — engage in cultural activity. Only when the kings have built would the carters have work to do. 12
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177 Fassen wir zusammen: Es fällt uns nicht ein, zu leugnen, daß den germanischen Völkem die vortrefflichsten Eigen- schaften zukommen, die sie unbestntten mit an die Spitze der großen Kulturrassen stellen, wobei freilich das reiche Erbe des Altertums, die fremden Einwirkungen von außen und die un- schätzbare Mitarbeit zahlloser, der Abkunft nach ungermanischer Elemente im Innem nicht vergessen werden dürfen. Doch all dies ist geworden, in mühsamer Kulturarbeit errungen. Nur Torheit kann in allem Trefflichen „germanisches“ Erbe, in allem Schlechten „fremden“ Einfluß erblicken. Die speziell für germanisch ausgegebenen Charakterzüge der Urzeit erweisen sich als solche, die bei allen Naturvölkem auf gleicher Entwicklungsstufe auftreten, und zwar in der ver- blüffendsten Ähnlichkeit mit jenen. Unsere Schilderung der älteren germanischen Zustände setzt zwei andere Phrasen ins Licht, nämlich den behaupteten „Freiheitssinn“ und das „politische Talent“ der Deutschen. Dahn weist wiederholt die Behauptung von der politischen Befähigung jener Staatengründer zurück, sie klingt auch wie ein rechter Hohn auf die Geschichte. Das bißchen Verwaltung stützte sich auf die Überbleibsel der römischen Kultur. La- teinisch schreibende Mönche und römische Senatoren besorgten das dnngendste Erfordemis in den alten Formen. Der rassenstolzen Behauptung gegenüber, daß „Treue, Achtung vor dem Großen und alles Edle überhaupt“ den Nichtgermanen etwas Fremdes sei, lehrte uns also ein Blick in die Urgeschichte dieser Germanen, wie es bei ihnen selber in den Anfängen ihrer Geschichte damit aussah. Mit dem Alleinbesitze der edelsten Charakteranlage ist nun angeblich auch eine ganz exzeptionelle geistige Beanlagung kombiniert. Der germanischen Rassenseele allein soll nämlich die Fähigkeit der schöpfenschen Gestaltung innewohnen, und nur wenn durch sie den anderen kulturlosen Urbbevölkerungen die Keime neuer großer Gedanken überbracht worden seien, dann könnten sich die Intelligenzen zweiter und dntter Güte der anderen Völker — nicht durch Schaffung, sondem durch Bearbeitung dieser Gedankenkeime — kulturell betätigen. Erst dann, wenn die Könige gebaut, hätten die Kärmer zu tun. 12