
Page 224 • Click to zoom
Page 224 of 568
172 Of all the Germanic peoples, the Ostrogoths afford the historian the most praiseworthy view in a moral respect. Yet even the noble Theoderic, whom German legend places at the head of its heroes as Dietrich von Bern, stained himself with the treacherous murder of his predecessor Odoacer.*
In the Spanish Visigothic kingdom, a powerful landed nobility had developed, which filled the entire history of this kingdom with disloyalty, high treason, and atrocities of all kinds. With indignation, the Frank Gregory of Tours criticizes "this abominable habit of the Visigoths, when they did not like the king, citing that Christ had forbidden swearing. These were banished for disobedience and condemned to forced labor, but the obedient were made into farmhands under the pretext that they had violated Christ's prohibition on swearing. His successor Thrasamund has his nephew Hilderic swear on his deathbed that he will not restore the Catholics to their old rights during his reign. Hilderic avoids the formal violation of the oath through a reservatio mentalis that would do any Jesuit honor.
- After having assured him of his life and royal honors, he conceived a probably unfounded suspicion against him, invited him to a meal, and struck him down with his own hand. His successors, Amalaswintha and her cousin Theodahad, both independently betrayed their people to Byzantium. In the subsequent war, the Byzantines and Goths sought to win the Franks to their side. The latter took money from both parties and deceived both. In this war, the king and the Ostrogothic nobles vied in disloyalty, the former towards the Romans, the latter towards the king. Finally, the Frankish king Theudibert came to Italy with 100,000 men and was joyfully greeted by the Goths as an ally. But as soon as he had crossed the Po with their help, he had the women and children of the Goths seized, sacrificed to the gods, and thrown into the river. "For the Franks," says Procopius, "are the most faithless among all peoples." They managed to repeat the same game once more, and they now began to plunder and conquer on their own account. It is understandable that the Gothic king Wittichis later preferred to surrender to the Byzantines rather than accept the once again offered help of the Franks. A trait, by the way, that often occurs in those wars is that Gothic garrisons, after capitulating, enter Byzantine service and fight against their own people.
Show Original German Text
172 Die Ostgoten gewähren dem Geschichtsschreiber von allen Germanen den in moralischer Beziehung lobenswertesten An- blick. Doch selbst der edle Theodench, den die deutsche Sage als Dietnch von Bem an die Spitze ihrer Helden stellt, befleckte sich mit der hinterlistigen Ermordung seines Vorgängers Odoaker.* Im spanischen Westgotenreich hatte sich ein mächtiger Grundadel entwickelt, der die ganze Geschichte dieses Reiches mit Untreue, Hochverrat und Greueln aller Art erfüllte. Mit Entrüstung tadelet der Franke Gregor von Tours „diese abscheu- liche Angewöhnung der Westgoten, wenn ihnen der König sich unter Berufung darauf, daß Chnstus den Schwur verboten habe. Diese wurden wegen Ungehorsams verbannt und zu Zwangsarbeit ver- dammt, die Gehorsamen aber unter dem Vorwurf, sie hätten das Schwur- verbot Chnsti verletzt, zu Ackerfnechten gemacht. Sein Nachfolger Thrasamund läßt sich von seinem Neffen Hildench noch auf dem Sterbe- bett schwören, er werde während seiner Regierung die Katholiken nicht in ihre alten Rechte einsetzen. Hildench entzieht sich der formalen Ver- letzung des Schwures durch eine Reservatio mentalis, die jedem Jesuiten Ehre machen würde. * Nachdem er diesem Leben und königliche Ehren zugesichert, faßte er einen wahrscheinlich unbegründeten Verdacht gegen ihn, lud ihn zum Mahle ein und stieß ihn mit eigener Hand nieder. Seine Nachfolger, Amalaswintha und ihr Vetter Theodahad, verneten beide unabhängig von einander ihr Volk an Byzanz. In dem folgenden Kneg suchten Byzantiner und Goten die Franken auf ihre Seite zu ziehen. Diese nahmen von beiden Parteien Geld und betrogen beide. In diesem Kneg wetteiferten der König und die ostgotischen Adeligen an Untreue, jener gegenüber den Römem, diese gegenüber dem König. Endlich kam der Frankenkönig Theudibert mit 100.000 Mann nach Italien und wurde von den Goten als Bundesgenosse freudig begrüßt. Kaum hatte er aber mit ihrer Hilfe den Po überschntten, so ließ er die Weiber und Kinder der Goten ergreifen, den Göttem als Opfer schlachten und in den Fluß werfen. „Denn die Franken“, sagt Prokop, „sind das treuloseste unter allen Völkem.“ Es gelang ihnen dasselbe Spiel noch einmal zu wiederholen, und sie begannen nun auf eigene Rechnung zu plündem und zu erobem. Es ist begreiflich, daß der Gotenkönig Wittichis sich später lieber den Byzantinem ergab, als die nochmals angebotene Hilfe der Franken anzunehmen. Ein übn- gens in jenen Knegen oft vorkommender Zug ist, daß gotische Besatzun- gen nach der Kapitulation in byzantinische Dienste eintreten und gegen ihr eigenes Volk fechten.