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XVIII bility of person and of possessions. Likewise, rational thinking according to reasons leads into the southern world with its artificially formed, not grown nature, into the eternal insecurity of Bedouin life, just as, on the other hand, instinctive existence connects with the staid, secure, enclosed life of the Nordic farmer and with the nebulous mystical natural environment of the Nordic man: from the infinite desert, from the pastoral economy grows the counter-play to this old, indigenous economic order of the North: capitalism. Here, economic activity no longer has an enclosed district, no delimited sphere of action. Here alone, in the pastoral economy—never in the sphere of agriculture—could the idea of acquisition take root. Here alone, just as in the late grandchild of the desert, the modern metropolis with its uninterrupted chasing and hunting, could the notion arise that the abstract quantity of goods and not their quality of use is the dominant category of economic life. We see the same characteristics in the Jews, only deepened even more by their religion, which itself was born from the national character. Judaism was the link between capitalism and its archetype, nomadism. Thus, through nomadism, with the mediation of Judaism, the rational elements penetrate into our economic life.
Out of the forest that one clears, out of the swamp that one turns into arable land, out of the soil on which the plow runs, has grown the peculiar economic constitution that reigned in Europe for millennia before capitalism came: the one we have called the peasant or feudal-artisanal one, which is built on the fundamental idea of sustenance, not of speculation but of the performance of work, of the corporative structure.
Traditionalism in trade and commerce had its deep-seated organic causes here, analogous to how the mobilism of the capitalist economic form is organically conditioned by the nature of the desert. In the North, the relationship to nature is more intimate; one embeds oneself in nature, as it were,
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XVIII weglichkeit der Person und des Besitzes vor. Ebenso führt das rationale Denken nach Gründen in die südliche Welt mit ihrer künstlich gebildeten, nicht gewordenen Natur, in die ewige Unſicherheit des Beduinenlebens hinein, wie anderseits das instinktive Dasein ſich mit dem behäbigen, ſicheren, unfnedeten Leben des nordischen Ackerbauers und mit der nebelhaften mystischen Naturumgebung des nordischen Menschen verbindet: aus der unendlichen Wüste, aus der Herdenwirtschaft erwächst das Widerspiel zu dieſer alten bodenständigen Wirtschaftsordnung des Nordens: der Kapitalismus. Hier hat das Wirtschaften keinen unfnedeten Bezirk, keinen abgegrenzten Tätigkeitskreis mehr. Hier allein, in der Herdenwirtschaft — niemals in der Sphäre des Ackerbaues — konnte die Erwerbsidee Wurzel schlagen. Hier allein, ebenſo wie in dem späten Enkel der Wüste, der modemen Großstadt mit ihren ununterbrochenen Hetzen und Jagen, konnte die Vorstellung entstehen, daß die abstrakte Güterquantität und nicht die Gebrauchsqualität die beherrschende Kategone des Wirtschaftslebens ſei. Dieſelben Eigenschaften ſehen wir bei den Juden, durch ihre ja ſelbst aus dem Volkscharakter geborene Religion nur noch mehr vertieft. Der Judaismus war das Bindeglied zwischen dem Kapitalismus und ſeinem Urbilde, dem Nomadismus. Durch den Nomadismus dnngen ſo unter Vermittlung des Judaismus die rationalen Elemente in unſer Wirtschaftsleben ein. Aus dem Wald, den man rodet, aus dem Sumpf, den man zur Scholte umwandelt, aus der Scholte, auf der der Pflug geht, ist die eigenartige Wirtschaftsverfaſſung erwachſen, die in Europa jahrtausendelang geherrscht hat, ehe der Kapitalismus kam: die wir die bäuerlichen oder feudal-handwerksmäßige genannt haben, die auf dem Grundgedanken der Nahrung, nicht der Spekulation ſondem der Werkvernchtung, der ständischen Gliederung aufgebaut ist. Der Traditionalismus in Handel und Erwerb hatte hier ſeine tieffliegenden organischen Urſachen, analog wie der Mobilismus der kapitalistischen Wirtschaftsform durch die Wüstennatur organisch bedingt ist. Im Norden ist das Verhältniß zu der Natur ein innigeres, man bettet ſich gleichſam in die Natur