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142 Such hypotheses, which reach back into the grayest prehistoric times, are of course unverifiable in their real content and unusable for anthropological conclusions, which must arise from completely different premises. This digression is only intended to point out that from linguistic relationships, completely different conclusions could be drawn than the generally common ones. That later, although probably still in prehistoric times, through the Asia Minor Greeks, through the Thracian and Scythian peoples, on the path of political and cultural influences "per contiguitatem" so often traceable in history, the West Asiatic language elements could also have become the foundation for the later languages of the European peoples, is a not impossible and perhaps even the most obvious solution to this as yet open problem. *
In any case, it is certain that the opinion that the Indo-European linguistic relationship is explainable only by assuming a tribal unity is completely erroneous, and we can assume that all these languages have spread per contiguitatem over their present-day large territory. The peoples themselves, however, belong to completely different racial types and presumably occupy the position in the systematics presented above that we had to give them here on the basis of the available ethnological studies.
In the Jewish question, apologetics has hitherto avoided anthropological controversies due to misunderstandings and fear of racial anti-Semitism, which was believed to provide a scientific basis for Jew-hatred.
- Expressions that refer to the Nordic climate may well have been incorporated into the common linguistic corpus only later · that words like tiger or palm tree are not found among the northern peoples is due to the fact that these animals or plants, respectively, do not exist there and therefore the corresponding words, even if they were originally present, had to be lost soon; however, in the mountainous parts of the south, plants and animals of all climates are much more easily found together.
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142 Derartige Hypothesen, die in die grauesten vorgeschicht- lichen Zeiten zurückreichen, ſind natürlich unprüfbar auf ihren realen Gehalt und unverwertbar für anthropologische Schlüſſe, die aus ganz anderen Prämiſſen heraus entstehen müſſen. Es ſoll mit dieſer Abschweifung nur darauf hingewieſen werden, daß aus den Sprachverwandtschaften noch ganz andere Schlüſſe als die allgemein üblichen gezogen werden könnten. Daß später, wenn auch in wahrscheinlich noch immer vorgeschichtlicher Zeit, durch die kleinaſiatischen Gnechen, durch die thrakischen und ſkythischen Völker auf dem in der Geschichte ſo oft ver- folgbaren Wege der politischen und kulturellen Einflüſſe „per contiguitatem“ die westaſiatischen Sprachelemente auch zur Grundlage für die späteren Sprachen der europäischen Völker geworden ſein konnten, ist eine nicht unmögliche und vielleicht ſogar die nächstliegende Löſung dieſes bislang noch offenen Problems. * Jedenfalls steht fest, daß die Meinung, die indoeuropäische Sprachverwandtschaft ſei nur durch die Annahme einer Stammes- einheit erklärlich, ganz irrtümlich ist und wir können an- nehmen, daß ſich alle dieſe Sprachen per contiguitatem über ihr heutiges großes Gebiet verbreitet haben. Die Völker ſelbst gehören aber ganz verschiedenen Raſſentypen an und nehmen vermutlich diejenige Stelle in der oben gebrachten Systematik ein, die wir auf Grund der vorliegenden ethnologischen Studien ihnen hier geben mußten. In der Judenfrage ging bisher die Apologetik anthropolo- gischen Kontroverſen infolge mißverständlicher Auffaſſungen und aus Furcht vor dem Raſſenantidemitiſmus, von dem man glaubte, daß er den Judenhaß naturwiſſenschaftlich begründe, aus dem Wege. * Ausdrücke, die auf das nordische Klima Bezug haben, können ganz gut erst nachher in den gemeinſamen Sprachſatz einverleibt worden ſein · daß ſich Worte, wie Tiger oder Palme bei den nördlichen Völkem nicht finden, hat seinen Grund dann, daß dieſe Tiere resp. Pflanzen dort nicht existieren und daher die entsprechenden Worte, auch wenn ſie ursprüng- lich vorhanden waren, bald verloren gehen mußten; wohl aber ſind in den bergigen Teilen des Südens viel leichter Pflanzen und Tiere aller Klimate vereinigt.