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75 Judt draws attention to the relatively large scale of fluctuation that exists with regard to body height between the different parts of European Jewry. The range of fluctuations in average body height depending on the place of residence reaches 9 cm. This difference is a very significant one. This is all the more striking as the indices of the skull and the color of the hair and eyes hardly exceed an insignificant range of fluctuation and come very close to a uniform type. Such a differentiation in body height among the Jews can only be the result of a varying influence of the milieu. That this is indeed the case is proven by the relevant figures: a greater body height is found in the localities where the fate of the Jews had been better, — a smaller one where the living conditions are more difficult. The English Jews reach a body height of 170 cm, while the Galician Jews barely reach 162.5 and the Warsaw Jews 161 cm. The Jews of the rich West End in London are taller than their fellow tribesmen in the wretched Whitechapel. The Jews of New York, almost all of whom come from Russia, also surpass in body height, according to Fishberg's measurements, the relatives who remained in Russia. With regard to the influence of the milieu, the Jews are therefore a magnificent experimental material. One can see the twofold influence of the milieu at work on them: the mental and the physical. Thus the sad and difficult moral conditions of existence, the crushing inheritance of the eternal blows of fate and the clear awareness of the actual state of affairs. In addition, the economic misery so disastrous for the physical development of the masses, as well as the uncommonly great diversity of climatic conditions in the large diaspora terrain, must also have contributed their share. An existence under such different conditions and their powerful effect for almost twenty centuries undoubtedly argues for the theory of the influence of the milieu.
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75 Judt macht auf die verhältnismäßig große Schwankungs- skala aufmerksam, welche bezüglich der Körpergröße zwischen den verschiedenen Teilen der europäischen Judenheit besteht. Die Zahl der Schwankungen in der mittleren Körperhöhe je nach dem Aufenthaltsstande erreicht 9 cm. Diese Differenz ist eine sehr bedeutende. Dies ist um so frappanter, als die Indices des Schädels und der Farbe der Haare und der Augen kaum eine unbedeutende Schwankungsgrenze überschreiten und einem einheitlichen Typus sehr nahe kommen. Eine derartige Differenziertheit in der Körpergröße kann bei den Juden nur das Resultat eines verschiedenen Einflusses des Milieus sein. Daß dem wirklich so ist, beweisen die diesbezüglichen Zit- fem: eine höhere Körpergröße weisen die Ortschaften auf, wo sich das Geschick der Juden besser gestaltet hatte, — eine kleinere die, wo die Lebensbedingungen schwienger sind. Die englischen Juden erreichen eine Körpergröße von 170 cm, während die galizischen kaum 162,5 und die War- schauer 161 cm erreichen. Die Juden des reichen Westend in London sind größer als ihre Stammesgenossen in dem elenden Whitechapel. Die Juden New-Yorks, die fast sämtlich aus Ruß- land stammen, übertreffen nach den Messungen Fishbergs eben- falls in der Körpergröße die in Rußland zurückgebliebenen Verwandten. In Bezug auf den Einfluß des Milieus sind also die Juden ein großartiges expenmentales Matenal. Man kann an ihnen den zweifachen Einfluß des Milieus wirken sehen: den geistigen und den physischen. Also die traungen und schweren mora- lischen Existenzbedingungen, die erdrückende Erbschaft der ewigen Schicksalsschläge und das klare Bewußtsein des tatsäch- lichen Sachverhaltes. Außerdem müssen auch das für die phy- sische Entwicklung der Massen so unheilvolle ökonomische Elend wie die ungemein große Mannigfaltigkeit der klimatischen Verhältnisse auf dem großen Diasporaterrain das ihre dazu beigetragen haben. Ein Dasein unter so verschiedenen Bedingungen und ihrer gewaltigen Einwirkung beinahe zwanzig Jahrhunderte hindurch nimmt unbedingt für die Theone vom Einflusse des Milieus ein.