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60 In the year 1905, I was in South America and also came to Lima, the capital of Peru. A local ophthalmologist, Dr. Gaffron, originally from Switzerland, had the kindness to demonstrate to me his magnificent collection of Inca antiquities, which, after the Berlin Museum, is the most extensive such collection in the world. On the numerous, in part exceedingly artful and beautiful textiles, jewelry, sculptures — which come from a cultural island that, without any connection whatsoever of any kind with any European or Asian culture, took its own entirely, absolutely independent course of development — on the weapons and utilitarian objects, therefore, and likewise, insofar as can be concluded from them, in the customs and practices, there was such a striking similarity, indeed identity, with institutions and objects from the analogous cultural periods of the Old World, that the assertion is well justi- fied that similarity and analogy in some ceremonies, in splendid attire, beard styles, etc., which are coincidentally found in geographically distant territories, possess no evidentiary power against the possibility of their autochthonous origin.
We can therefore, just as with the certainly inter- esting similarity of some myths and the phonetic resemblances in some language samples, with full composure also move past the other pieces of evidence belonging here. It is truly for anthropological conclusions completely irrelevant whether analogies exist in the type of military organization, in the manner of burial (grave goods), or in certain rituals (circumcision), whether similarities of stone-age tools exist, or whether there are such similarities between the pyramids and the stone mounds called “dolmens,” whether some ancient Egyptian helmets were adorned with feathers or, as with the Germanic peoples of the Migration Period, with horns, whether the shields were round and the bronze swords, like those found in the Nordic graves, “became wider toward the hilt,” or whether finally the heads of the ancient Sumerians were shaven or not.
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60 Im Jahre 1905 war ich in Südamenka und kann auch nach Lima, der Hauptstadt von Peru. Ein dortiger, aus der Schweiz stammender Augenarzt, Dr. Gaffron, hatte die Liebenswürdig- keit, mir seine großartige Sammlung von Inka-Altertümem zu demonstneren, welche nach dem Berliner Museum die reich- haltigste derartige Sammlung der Welt ist. An den zahlreichen, zum Teil überaus kunstvollen und schönen Geweben, Schmuck- sachen, Plastiken. — die aus einer Kultunnsel stammen, die ohne irgendwelchen wie immer gearteten Zusammenhang mit irgend einer europäischen oder asiatischen Kultur ganz ihren eigenen, absolut selbständigen Entwicklungsgang genommen hat — an den Waffen und Gebrauchsgegenständen also und ebenso, soweit daraus geschlossen werden kann, in den Sitten und Gebräuchen, zeigte sich eine solche frappante Ähnlichkeit, ja Gleichheit mit Einnchtungen und Gegenständen aus den analogen Kultur- penoden der Alten Welt, daß die Behauptung wohl gerechtfer- tigt ist, daß Ähnlichkeit und Analogie in manchen Zeremonien, in Kleiderpracht, Barttracht usw., die in geographisch weit von- einander abliegenden Terntonen zufällig gefunden werden, gegen die Möglichkeit ihres autochthonen Ursprunges keinerlei Beweiskraft besitzen. Wir können daher, geradeso wie über die gewiß inter- essante Ähnlichkeit mancher Mythen und wie über die laut- lichen Anklänge in manchen Sprachproben, mit voller Beruhi- gung auch über die anderen hieher gehörenden Beweisdokumente hinweggehen. Es ist wirklich für anthropologische Schluß- folgerungen vollständig gleichgültig, ob Analogien in der Art der militänschen Organisation, in der Art der Bestattung (Bei- gaben), oder in gewissen Ritualien (Beschneidung) bestehen, ob Ähnlichkeiten steinzeitlicher Gerätschaf- ten existieren, oder ob es solche Ähnlichkeiten zwischen den Pyramiden und den „Dolmen“ genannten Steinhaufen gibt, ob manche altägyp- tische Sturmhauben mit Fedem oder, wie bei den Germanen der Völkerwanderung, mit Hömem geziert waren, ob die Schil- der rund waren und die Bronzeschwerter wie bei den in den nordischen Gräbem gefundenen „gegen das Heft zu breiter wurden“, oder ob schließlich die Köpfe der alten Sumener ge- schoren waren oder nicht.