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Later, Poland became the refuge for the Jews driven out of Germany¹); they made themselves indispensable to the magnates in the exploitation of the peasants. From the dukes and later the kings they received numerous privileges, including breweries and the serving of spirits. Despite all representations, even from high clergymen and the Pope, they always found protection with the kings and magnates. To be sure, in the 17th century, the long-stored popular rage broke out here as well, especially against the Jewish tax and levy bloodsuckers, and terrible persecutions of Jews ("pogroms") occurred throughout the East. But then the Polish nobles took the Jews back in, and the world owes to them the inexhaustible cradle of the Jews in the East. *) At the end of the Middle Ages and long thereafter, the German language was widespread throughout the East. When the Jews expelled from Germany immigrated to Poland, Judeo-German, the "Jewish" language, developed.
III. The Modern Era
1. The Ghetto Period
"Ghetto, compulsory ghetto!" The German Michel is expected, upon hearing these words, to feel the deepest pity for the "poor" Jews: for the eternally persecuted and oppressed Jews, who, since time immemorial, were crammed together in filthy Jewish quarters and narrow Jewish alleys, leading a subhuman existence, without rights and defenseless, at the mercy of the arbitrariness and mockery of the Christians.
Of course, the life of the Jews in the 15th-18th centuries was by no means enviable; but through their own fault. For two and a half millennia, they have always and everywhere lived as foreigners among the other peoples and have had the tenacious will to remain foreigners. For two and a half millennia, their ghetto life has been as voluntary as their dispersion¹). The ghetto (the Jewish quarter) was something similar to the foreign quarters in the cities of China today. For antiquity, I recall once more Alexandria, Antioch, Rome. In the earlier Middle Ages, there was no compulsory ghetto anywhere; rather, the religious community and the professional association brought the Jews together. The first walled ghetto in Germany, the Jewish quarter in Speyer (1084), was a privilege. Only towards the end of the Middle Ages did the compulsory ghetto arise from voluntary seclusion, and even then the segregation was not strict; numerous exceptions are known, e.g., for court Jews and physicians. *) The Jew Rathenau admitted this for our own time just a few years ago: "In close connection among themselves, in strict seclusion from the outside: thus they live in a half-voluntary, invisible ghetto, not a living member of the people, but a foreign organism in its body."
So what were the conditions in the 15th-18th centuries? The states of Western and Central Europe had made use of their undeniable right to expel foreigners. Instead of now settling in the East, where there was enough space, and dedicating themselves to agriculture or a craft, the Jews behaved like people who absolutely want to penetrate a park at whose entrances it says "Entry for foreigners prohibited." They want to remain "foreigners," but not be treated as "foreigners." They succeeded in smuggling themselves in here and there. The continual wars of the modern era, the need for money of kings, princes, and city authorities, the rising luxury opened
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Später wurde Polen die Zuflucht der aus Deutschland vertnebenen Juden¹); sie machten sich den Magnaten bei der Auspressung der Bauem unentbehrlich. Von den Herzögen und später den Königen erhielten sie zahlreiche Vorrechte, darunter Brauereien und Ausschank des Branntweins. Trotz aller Vorstellungen, selbst von hohen Geistlichen und vom Papst, fanden sie immer wieder Schutz bei den Königen und Magnaten. Freilich brach sich im 17. Jahrhundert auch hier die lange auf gespeicherte Volkswut Bahn, besonders gegen die jüdischen Steuer- und Abgaben-Blutsauger, und es kam zu entsetzlichen Judenverfolgungen ("Pogromen") im ganzen Osten. Aber dann nahmen die polnischen Edelleute die Juden wieder auf, und ihnen verdankt die Welt die unerschöpfliche Judenwiege im Osten. ¹) Am Ende des Mittelalters und noch lange darüber hinaus war die deutsche Sprache im ganzen Osten weit verbreitet, als nun noch die aus Deutschland ausgewiesenen Juden nach Polen einwanderten, entwickelte sich das Judendeutsch, die "jüdische" Sprache. III. Neuzeit 1. Die Gettozeit "Getto, Gettozwang!" Von dem deutschen Michel wird erwartet, daß er bei diesen Worten das tiefste Mitleid mit den "armen" Juden empfindet: mit den seit Urzeiten ewig verfolgten und gedrückten Juden, die in schmutzigen Judenvierteln und engen Judengassen zusammengepfercht ein menschenunwürdiges Dasein führten, rechtlos und wehrlos der Willkür und dem Spott der Chnsten preisgegeben. Freilich war das Leben der Juden im 15.-18. Jahrhundert keineswegs beneidenswert; aber durch eigene Schuld. Seit zweieinhalb Jahrtausenden haben sie stets und überall als Fremde unter den anderen Völkem gelebt und den zähen Willen gehabt, Fremde zu bleiben. Seit zweieinhalb Jahrtausenden ist ihr Gettoleben ebenso freiwillig wie ihre Zerstreuung¹). Das Getto (das Judenviertel) war etwas ähnliches wie heute die Fremdenviertel in den Städten Chinas. Ich ennnere für das Altertum noch einmal an Alexandna, Antiochia, Rom. Im früheren Mittelalter hat nirgends ein Gettozwang bestanden; vielmehr führten die religiöse Gemeinschaft und die Berufsgenossenschaft die Juden zusammen. Das erste ummauerte Getto in Deutschland, das Judenviertel in Speyer (1084), war eine Vergünstigung. Erst gegen Ende des Mittelalters erwuchs aus der freiwilligen Absonderung der Gettozwang und auch dann war die Absperrung keine strenge; zahlreiche Ausnahmen sind bekannt, z. B. für Hofjuden und Ärzte. ¹) Das hat noch für unsere Zeit vor wenigen Jahren der Jude Rathenau zugegeben: "In engem Zusammenhang unter sich, in strenger Abgeschlossenheit nach außen: so leben sie in einem halbfreiwilligen, unsichtbaren Getto, kein lebendes Glied des Volkes, sondem ein fremder Organismus in seinem Leibe." Wie waren nun die Verhältnisse im 15.-18. Jahrhundert? Die Staaten West- und Mitteleuropas hatten von ihrem unbestreitbaren Recht, Fremde auszuweisen, Gebrauch gemacht. Anstatt sich nun im Osten, wo Raum genug war, anzusiedeln und sich dem Ackerbau oder einem Handwerk zu widmen, benahmen sich die Juden wie Leute, die durchaus in einen Park eindnngen wollen, an dessen Eingängen steht "Eintntt für Fremde verboten". Sie wollen zwar "Fremde" bleiben, aber nicht als "Fremde" behandelt werden. Es gelang ihnen, sich hier und dort einzuschmuggeln. Die fortwährenden Knege der Neuzeit, das Geldbedürfnis der Könige, Fürsten und Stadtobngkeiten, der steigende Luxus öffnete ihnen - 46 -