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The 13th century was for the Jews a time of the greatest, most immense enrichment and the beginning of increasing persecutions. It must be stated that these mostly did not originate from above, but from below. As in antiquity, the Jews in the Middle Ages and the modern era succeeded time and again in winning the favor of the great. Precisely because individual kings, secular and spiritual princes, city authorities, in order to obtain money, surrendered their subjects to exploitation by the Jews, bitterness grew in the lower classes of the populace: exactly as it did toward the Roman Papal Church. Eventually, the Jews were expelled from Western and Central Europe. The religious conflict played a role in this only insofar as the Jews' immoderate revilements against Christ and Christianity became known. In England, the impetus for the expulsion of the Jews (1291) was the discovery of wide- spread Jewish coin forgery. In France, during the 13th century, the Jews achieved great wealth and extensive land ownership. Although a confiscation of their assets followed several times at the beginning of the 14th century, the Jews found protection with Kings Louis X and Charles V. In exchange for immense tribute payments, they were permitted an interest rate of up to 80% in their money dealings. Over this, the bitterness of the people grew, and in 1394 they forced their complete expulsion. The history of Spain is again particularly instructive. Time and again the pent-up fury of the people discharged itself over the economic oppression and treason of the Jews, over their mockery of Christianity and over their quackery. We hear of the Jewish financial advisors to the kings; their activities were particularly bad under Alfonso I (1325-1380) and his brother Don Pedro. "The Jews suck the blood of the tormented Christians and consume their property through tax farming," says an old chronicle. The people's rage grew, and around 1480, immense persecutions of Jews began. To escape them, many Jews had themselves baptized. From 1451, the Inquisition worked against Jews and sham Christians, who were called "Marranos." Yet the royal couple, Ferdinand and Isabella, tried once more with leniency. Only when in the Granada war against the last Moors of Spain the Jews secretly supported the enemy, did the day of reckoning break out in 1492. A decree was issued according to which the Jews had to either become Christians within four months or leave the country. At that time, about 300,000 Jews emigrated from Spain: partly to Turkey, where their descendants are still called "Spaniolen" today; partly to Portugal, from where they were also soon driven out. In Germany, due to its fragmented nature, a uniform approach was no longer possible. If the Jews were driven out in one place, they were taken in again in another. The 15th century brought the expulsion of the Jews from the most important German commercial cities: from Cologne, Augsburg, Strasbourg, Erfurt, Nuremberg, Ulm, Regensburg. In contrast, they found refuge in Frankfurt a. M. and Hamburg. A little later, fate befell the Jews in Italy as well. In the 14th and 15th centuries, the bitterness against the Jews was so great that the accusations of ritual murder and well poisoning found general belief. Around 1350, at the time of the "Black Death" (bubonic plague), cruel persecutions of Jews occurred first in France, then in Germany. Poland as a Jewish Country Since the most ancient times, numerous Jews had lived in Eastern Europe, from where they conducted a brisk slave trade. Indeed, our German word "Sklave" (slave) originated from "Slawe" (Slav); the Slavic peoples provided rich material for forced labor.
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Das 13. Jahrhundert war für die Juden zugleich eine Zeit größter, ungeheurer Bereicherung und der Anfang zunehmender Verfolgungen. Es muß festgestellt werden, daß diese meist nicht von oben, sondem von unten ausgingen. Wie im Altertum, so gelang es den Juden in Mittelalter und Neuzeit, immer wieder die Gunst der Großen zu gewinnen. Gerade weil einzelne Könige, weltliche und geistliche Fürsten, Obngkeiten der Städte, um Geld zu erlangen, ihre Untertanen der Ausbeutung durch die Juden preisgaben, wuchs in den unteren Volksschichten die Erbitterung: genau so, wie der römischen Papstkirche gegenüber. Schließlich wurden die Juden aus West- und Mitteleuropa ausgewiesen. Der religiöse Gegensatz spielte dabei nur inſoweit eine Rolle, als maßloſe Schmähungen der Juden gegen Chnstus und das Chnstentum bekannt wurden. In England gab den Anstoß zu der Verjagung der Juden (1291) die Aufdeckung weit verbreiteter jüdischer Falschmünzereien. In Frankreich gelangten die Juden während des 13. Jahrhunderts zu großem Reichtum und ausgedehntem Grundbeſitz. Zwar folgte im Anfang des 14. Jahrhunderts mehrmals eine Konfiſkation der Güter; aber bei den Königen Ludwig X. und Karl V. fanden die Juden Schutz. Gegen ungeheure Tnbutzahlungen wurde ihnen bei ihren Geldgeschäften ein Zinsfuß bis zu 80 % gestattet. Darüber wuchs die Erbitterung des Volkes, das 1394 ihre restloſe Vertreibung erzwang. Beſonders lehrreich ist wiederum die Geschichte Spaniens. Immer wieder entlud ſich die aufgespeicherte Wut des Volkes über die wirtschaftlichen Bedrückungen und über den Landesverrat der Juden, über Verhöhnungen des Chnstentums und über Kurpfuschereien. Wir hören von den jüdischen finanziellen Ratgebem der Könige; beſonders schlimm war ihr Treiben unter Alfonſo I. (1325-1380) und ſeinem Bruder Don Pedro. "Die Juden ſaugen das Blut der geplagten Chnsten und verzehren ihr Gut durch Steuerpacht", heißt es in einer alten Chronik. Die Volkswut stieg, und um 1480 begannen gewaltige Judenverfolgungen. Um ihnen zu entgehen, ließen ſich viele Juden taufen. Seit 1451 arbeitete die Inquiſition gegen Juden und ScheinChnsten, die man „Maranen" nannte. Doch verſuchte es das Königspaar, Ferdinand und Iſabella, noch einmal mit Milde. Erst als im Granadischen Knege gegen die letzten Mauren Spaniens die Juden insgeheim den Feind unterstützten, brach 1492 das Strafgencht aus. Es erschien ein Dekret, wonach die Juden innerhalb vier Monaten entweder Chnsten werden oder das Land verlaſſen mußten. Damals wanderten gegen 300.000 Juden aus Spanien aus: teils in die Türkei, wo die Nachkommen noch heute „Spaniolen" heißen; teils nach Portugal, von wo ſie bald darauf auch verjagt wurden. In Deutschland war infolge der Vielstaaterei ein einheitliches Vorgehen nicht mehr möglich. Wurden die Juden an einer Stelle verjagt, ſo nahm man ſie an einer anderen wieder auf. Das 15. Jahrhundert brachte die Vertreibung der Juden aus den wichtigsten deutschen Handelsstädten: aus Köln, Augſburg, Straßburg, Erfurt, Nümberg, Ulm, Regensburg. Dagegen fanden ſie in Frankfurt a. M. und Hamburg Aufnahme. Etwas später ereilte die Juden auch in Italien ihr Schickſal. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Erbitterung gegen die Juden ſo groß, daß die Vorwürfe des Ritualmordes und der Brunnenvergiftung allgemeinen Glauben fanden. Um 1350 waren zur Zeit des "Schwarzen Todes" (Beulenpest) zuerst in Frankreich, dann in Deutschland grauſame Judenverfolgungen. Polen als Judenland Schon ſeit den ältesten Zeiten lebten zahlreiche Juden in Osteuropa, von wo ſie einen schwunghaften Sklavenhandel tneben. Ist ja unſer deutsches Wort "Sklave" aus "Slawe" entstanden; die ſlawischen Völker lieferten eben ein reiches Matenal für den Frondienst. - 45 -