
Page 44 • Click to zoom
Page 44 of 339
and of feeling genuine patriotism? They remain strangers and want to remain strangers. Just as in antiquity the Babylonian Jews lent a hand to the Persians, the Persian Jews to the Greeks, the Greek Jews to the Romans: so later in Spain the Roman Jews to the Goths, the Gothic Jews to the Arabs, the Arab Jews to the Christian kings of Castile.
And in the other countries? In the Frankish Empire, too, the fate of the Jews changed. In general, one can say that they fared well under the Carolingians during the 8th, 9th, and 10th centuries. Of course, Jewish writers wrongly claim Charlemagne (768-814) as a pronounced friend of the Jews. For although he granted the Jews great freedoms and made use of the Jew Isaac for his dealings with the Caliph Harun al-Rashid, he still kept them somewhat in check. It was different under his weak son Louis the "Pious" (814-840), who was completely under Jewish influence! One can speak of a fad of favoring the Jews. The Jewish professor Graetz writes: "The Empress and her friends were patrons of the Jews because of their descent from the great patriarchs and prophets. For their sake, they were to be honored, spoke this pro-Jewish party at court, and the Emperor also saw them in the same light ... The Jews had free access to the court and interacted directly with the Emperor and those close to him ... Relatives of the Emperor gifted Jewish women with costly garments; Christians visited synagogues: some educated Christians were so taken with Judaism that they kept the Sabbath holy and performed work on Sunday."
In the 9th and 10th centuries, the Jews were able to spread across Germany. We find them in Magdeburg, Merseburg, Regensburg, in Giessen and Prague; the slave trade particularly flourished. It was of great importance for the Jews living with us that they received a center in the rabbinical school of Mainz. They were by no means hindered from settling and turning to agriculture; even the Jewish professor Graetz admits the possibility of acquiring land. They did not become a people of trade and usury "through a harsh fate."
To conclude this section, the close relations of the unfortunate Emperor Henry IV (1056-1106) to Judaism in the 11th century may be mentioned. Probably his bitter need brought him into dependence on the Jewish financiers. We have documents about his acts of grace, especially towards the Jews in Worms and Speyer. In Speyer, the pro-Jewish Bishop Rüdiger Huozmann had already granted the Jews their own jurisdiction in 1084, alongside other freedoms. He was surpassed in the year 1191 by the Emperor, who decreed that in a trial between Christians and Jews, judgment should be according to Jewish law. Sombart writes on this: "For the acquisition of movable property by Jews, a special Jewish law was in effect for centuries; it found its first recognition in the privilege that Henry IV granted to the Jews of Speyer: 'If a stolen item is found with a Jew, and the Jew claims to have bought it, he may affirm with an oath according to his law for what sum he bought it; if the owner then pays him that much, he shall return it to him for that amount.'" From this grew a legally guaranteed privilege for Jews to handle stolen goods. At that time, our legal confusion began through the intrusion of foreign legal views. - Also in Speyer, with the growing hostile mood of the populace, the new Jewish settlement was surrounded by a protective wall; it is the first ghetto-separation in Germany: not an imposed hardship, but a privilege for the protection of the Jews! Of course, the ghetto later transformed into a plague for the Jews: just as the protection granted as a benefit by Louis the Pious in the 9th century
- 43 -
Show Original German Text
werden und echte Vaterlandsliebe zu empfinden? Sie bleiben Fremde und wollen Fremde bleiben. Wie im Altertum die babylonischen Juden den Persem, die persischen den Gnechen, die gnechischen den Römem die Hand reichten: so später in Spanien die römischen Juden den Goten, die gotischen Juden den Arabem, die arabischen Juden den chnstlichen Königen Kastiliens. Und in den anderen Ländem? Auch im Frankenreich wechselte das Schicksal der Juden. Im allgemeinen kann man sagen, daß es ihnen unter den Karolingem während des 8., 9., 10. Jahrhunderts gut ging. Freilich nehmen jüdische Schnftsteller mit Unrecht Karl von Franken (768-814) als ausgesprochenen Judenfreund für sich in Anspruch. Denn obgleich er den Juden große Freiheiten gewährte und sich für seinen Verkehr mit dem Chalifen Harun al Raschid des Juden Isaak bediente, so hielt er sie doch etwas in Schranken. Anders unter seinem schwachen Sohn Ludwig dem „Frommen“ (814-840), der ganz unter jüdischem Einfluß stand! Man kann von einer Zeitmode der Judenbevorzugung sprechen. Der jüdische Professor Graetz schreibt: "Die Kaisenn und ihre Freunde waren wegen der Abstammung der Juden von den großen Patnarchen und Propheten Gönner derselben. Um derentwillen seien sie zu ehren, sprach diese judenfreundliche Partei am Hofe, und der Kaiser sah sie ebenfalls in demselben Lichte ... Die Juden hatten freien Zutntt bei Hofe und verkehrten unmittelbar mit dem Kaiser und den ihm nahen Personen ... Verwandte des Kaisers beschenkten jüdischen Frauen mit kostbaren Gewändem; Chnsten besuchten Synagogen: manche gebildete Chnsten waren so sehr vom Judentum eingenommen, daß sie den Sabbat heilig hielten und am Sonntag Arbeit vernchteten." Im 9. und 10. Jahrhundert konnten die Juden sich über Deutschland ausbreiten. Wir finden sie in Magdeburg, Merseburg, Regensburg, in Gießen und Prag; hauptsächlich blühte der Sklavenhandel. Es war für die bei uns wohnenden Juden von hoher Bedeutung, daß sie in der Mainzer Rabbinatsschule einen Mittelpunkt erhielten. Sie wurden keineswegs behindert, sich anzusiedeln und dem Ackerbau zuzuwenden; selbst von dem jüdischen Professor Graetz wird die Möglichkeit des Grunderwerbs zugegeben. Sie sind nicht "durch ein hartes Geschick" ein Handels- und Wuchervolk geworden. Zum Schluß dieses Abschnitts mögen aus dem 11. Jahrhundert die engen Beziehungen des unglücklichen Kaisers Heinnch IV. (1056-1106) zum Judentum erwähnt werden. Wahrscheinlich hat die bittere Not ihn in Abhängigkeit von den jüdischen Geldleuten gebracht. Wir haben Urkunden über seine Gnadenerweise besonders gegenüber den Juden in Worms und Speyer. In Speyer hatte bereits der judenfreundliche Bischof Rüdiger Huozmann den Juden 1084 neben anderen Freiheiten eigene Genchtsbarkeit gewährt. Er wurde im Jahre 1191 durch den Kaiser noch überboten, welcher bestimmte, daß in einem Prozeß zwischen Chnsten und Juden nach jüdischem Recht genchtet werde. Dazu schreibt Sombart: "Für den Erwerb beweglicher Sachen durch Juden hat jahrhundertelang ein besonderes Judenrecht in Geltung gestanden; es hat seine erste Anerkennung in dem Pnvileg gefunden, das Heinnch IV. den Juden Speyers erteilt: 'Wird bei einem Juden eine gestohlene Sache gefunden, und behauptet der Jude, sie gekauft zu haben, so darf er mit dem Eide nach seinem Gesetz erhärten, für welche Summe er sie gekauft habe; zahlt ihm sodann soviel der Eigentümer, so soll er sie diesem dafür herausgeben.'" Daraus erwuchs ein gesetzlich gewährleistetes Hehlereivorrecht der Juden. Damals begann unsere Rechtsverwirrung durch das Eindnngen von fremdartigen Rechtsanschauungen. - Auch wurde in Speyer bei der wachsenden feindlichen Volksstimmung die neue Judensiedlung mit einer schützenden Mauer umgeben; es ist die erste Getto-Absonderung in Deutschland: keine aufgezwungene Härte, sondem eine Vergünstigung zum Schutze der Juden! Freilich verwandelte sich das Getto später in eine Plage für die Juden: ebenso wie sich aus dem von Ludwig dem Frommen im 9. Jahrhundert - 43 -