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on both sides; on the other hand, the incompatibility of the special Jewish position with the overall interests of the empire became ever more apparent. We must state that nothing was left untried by the Roman government to ensure mutual tolerance. But the admonition expressed in the imperial edict, that the Jews for their part should now also show greater moderation and refrain from insulting those of other faiths, speaks volumes. Mommsen writes: "the danger lay in the incompatibility of the fellow members of the empire, once coupled together by fate, of different nationalities."
Since 44 A.D., weapons have not rested. We are astonished at the accommodation of the Roman government. But this leniency increased the power of the Zealots, who terrorized the moderate elements among the Jews. The hatred grew. "On both sides, further coexistence seemed impossible, and they confronted each other with thoughts of mutual extermination."
In the year 66 A.D., bloody riots occurred in Caesarea and Jerusalem; there the non-Jews were the attackers, here the Jews. In Jerusalem, not only the Romans, but also the moderate Jews fell victim to the popular rage. With this, the signal was given for cruel anti-Jewish campaigns in Damascus, Ascalon, Tyre. And now the actual war began, 66-70. Fighting took place not only between the Roman and Jewish troops, but the Jewish parties also murdered each other. The horrific bloody work ended in 70 with the destruction of Jerusalem.
Despite these terrible outbreaks of mutual hatred, the imperial government did not allow itself to be carried away into further violent measures. We must recognize it as a moderate policy that, while the Jewish community scattered throughout the empire should henceforth no longer form a state within a state, with its own central government in Jerusalem, the Jews were not hindered in the practice of their religious customs either in Palestine or elsewhere. Indeed, associations of rabbis were allowed to form again, which took the place of the former high-priestly central government. "It was not a question of faith, but of power. The Jewish church-state as the head of the diaspora was not compatible with the absoluteness of the great secular state" (Mommsen).
Twice more, horrific, bloody uprisings of the national Jewish community occurred: in the year 116 A.D., an uprising of the Jews in Cyrene, Cyprus, and Egypt broke out; it also spread far into Western Asia. How bitter the battles were is shown by reports according to which the Jews in Cyrene killed 220,000, in Cyprus 240,000 people. On the other hand, in Alexandria the besieged Greeks slew whatever Jews were then in the city.
The uprising that broke out in 130 A.D. under Emperor Hadrian in Palestine has no equal in history: the entire Jewish community supported the insurgents. For three years, they fought with unbelievable cruelty between the Jews and the Roman troops. Credible reports tell of 50 captured fortresses, 985 occupied villages, 580,000 fallen. - Again, the Roman government exercised far-reaching religious tolerance after suppressing the uprising.
But it seemed as if, through the bloody losses since the time of the Maccabees (for three centuries), all moderate Jews had been exterminated. The remaining Judaism intensified its separation. Mommsen speaks of the "rigid Rabbinism, which knows and wants to know nothing of the world besides Abraham's bosom and the Mosaic Law"; of the "literalism towards the holy scriptures, which rose to the
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auf beiden Seiten; anderseits trat die Unvereinbarkeit der jüdischen Sonderstellung mit den Geſamtintereſſen des Reiches immer deutlicher zutage. Wir müſſen feststellen, daß von der römischen Regierung nichts unversucht blieb, damit man ſich gegenſeitig vertrage. Aber die in dem kaiſerlichen Edikt ausgesprochene Mahnung, daß die Juden nun auch ihrerſeits größere Mäßigung zeigen und ſich der Beschimpfung Andersgläubiger enthalten möchten, spncht Bände. Mommſen schreibt: "in der Unverträglichkeit der vom Schickſal nun doch einmal zuſammengekoppelten Reichsgenoſſen verschiedener Nationalität lag die Gefahr." Seit 44 n. Chr. haben die Waffen nicht geruht. Wir staunen über das Entgegenkommen der römischen Regierung. Aber dieſe Nachgiebigkeit steigerte die Macht der Zeloten ("Eiferer"), welche die gemäßigten Elemente unter den Juden terronſierten. Der Haß wuchs. "Auf beiden Seiten schien das femere Zuſammenleben unmöglich, und man begegnete ſich mit Gedanken der gegenſeitigen Ausrottung." Im Jahre 66 n. Chr. kam es in Cäſarea und in Jeruſalem zu blutigen Tumulten; dort waren die Nichtjuden die Angreifenden, hier die Juden. In Jeruſalem wurden nicht nur die Römer, ſondem auch die gemäßigten Juden Opfer der Volkswut. Damit wurde das Signal gegeben für grauſame Judenhetzen in Damaſkus, Askalon, Tyrus. Und nun begann der eigentliche Kneg 66-70. Nicht nur zwischen den römischen und jüdischen Truppen wurde gekämpft, auch gegenſeitig mordeten ſich die jüdischen Parteien. Die entſetzliche Blutarbeit endete 70 mit der Zerstörung Jeruſalems. Trotz dieſer schrecklichen Ausbrüche gegenſeitigen Haſſes hat ſich die kaiſerliche Regierung nicht zu weiteren Gewaltmaßregeln hinreißen laſſen. Wir müſſen es als eine gemäßigte Politik anerkennen, daß zwar die über das ganze Reich zerstreute Judenschaft hinfort keinen Staat im Staate, mit eigener Zentralregierung in Jeruſalem, bilden ſollte; daß man aber den Juden in der Ausübung ihrer Religionsgebräuche weder in Palästina noch anderswo Hindemiſſe in den Weg legte. Ja, es durften ſich abermals Rabbiner-Vereinigungen bilden, die an die Stelle der ehemaligen hohepnesterlichen Zentralregierung traten. "Es handelte ſich nicht um eine Glaubens-, ſondem Machtfrage. Der jüdische Kirchenstaat als Haupt der Diaspora vertrug ſich nicht mit der Unbedingtheit des weltlichen Großstaates" (Mommſen). Noch zweimal kam es zu entſetzlichen, blutigen Aufständen der nationalen Judenschaft: im Jahre 116 n. Chr. brach eine Erhebung der Juden in Kyrene, Cypem und Ägypten aus; ſie verbreitete ſich auch weit in Vorderasien hinein. Wie erbittert die Kämpfe geweſen ſind, zeigen die Benchte, nach denen die Juden in Kyrene 220.000, in Cypem 240.000 Menschen umgebracht haben. Anderſeits erschlugen in Alexandna die belagerten Gnechen, was von Juden damals in der Stadt war. Der Aufstand, der 130 n. Chr. unter dem Kaiſer Hadnan in Palästina ausbrach, hat ſeinesgleichen nicht in der Geschichte: die geſamte Judenschaft unterstützte die Aufständischen. Mit unglaublicher Grauſamkeit wurde drei Jahre lang zwischen den Juden und den römischen Truppen gerungen. Glaubwürdige Benchte erzählen von 50 genommenen Festungen, 985 beſetzten Dörfem, 580.000 Gefallenen. - Wiederum übte die römische Regierung nach der Niederwerfung des Aufstandes weitgehende religiöſe Toleranz. Aber es schien, als wenn durch die blutigen Verluste ſeit der Makkabäerzeit (drei Jahrhunderte hindurch) alle gemäßigten Juden ausgerottet ſeien. Das übng bleibende Judentum steigerte ſeine Abſonderung. Mommſen spncht von dem "starren Rabbiniſmus, der außer Abrahams Schoß und dem Moſaischen Geſetz von der Welt nichts weiß, noch wiſſen will"; von der "Buchstabengläubigkeit gegenüber den heiligen Schnften, die bis in die - 38 -