
Page 321 • Click to zoom
Page 321 of 339
However, it was not only factual differences of opinion that made the existence of a unified party difficult. The ambition, stubbornness, and lack of discipline of the leaders also made themselves disastrously felt.
Soon Dr. Boeckel and Zimmermann also fell out, so that the overall picture of the movement became a rather unpleasant one. Later, other men and other factions were added: Alwardt was elected in Amswalde and became the center of the so-called "rowdy anti-Semitism."
But when the movement had already suffered greatly in public esteem, a few men came to the forefront who were to be taken very seriously and enjoyed the respect of friend and foe alike: the already mentioned Friedrich Raab from Hamburg, Count Ludwig Reventlow from Kiel (the brother of Ernst Reventlow), Judge Lastmann from Schmalkalden, and the leader of the German National Union of Commercial Employees, Wilhelm Schack. But this heyday of the movement did not last long. Wilhelm Schack had to withdraw from public life, Count Ludwig Reventlow died, and Raab, emotionally shaken by the loss of his dearest comrades-in-arms, aged prematurely. Dr. Boeckel had already disappeared from the movement before that. He, who did not possess a spark of commercial talent, had founded a large printing press in Marburg, which he was unable to sustain. He had to retreat to Berlin and be glad that he found a position there in the "Farmers' League," which he had formerly opposed. Today, the earth has long since covered the former Hessian peasant king as well.
In general, it must be said that the history of party anti-Judaism is not very pleasant. Most of its representatives focused on agitation. The success at rallies became the measure of all things. The scholarly research of the forerunners of political anti-Judaism receded completely into the background. The fight against like-minded individuals was conducted with more thoroughness and, above all, with more bitterness than the fight against fundamental opponents.
One man remained in the background during this time, as he had before and would later: Theodor Fritsch in Leipzig. He became the writer, collector of materials, and researcher of the movement. In actual party work, he was not very prominent. In contrast, he was tireless in publishing writings and pamphlets. He published the "Burning Questions," the "Handbook of the Jewish Question," and a series of other books. He strove earnestly and with great personal sacrifice to prevent the anti-Jewish movement from becoming superficial. And he did indeed prevent it. Gradually, he succeeded in gathering around himself a large and growing community of men (and women) who had made themselves independent of slogans and popular opinion. This group also stayed together when, in the years before the First World War, political anti-Judaism no longer meant much. The leaders of the Jews also soon realized that Theodor Fritsch was their worst opponent, because he was the most level-headed, best-informed, and fought most objectively. They denounced him wherever they could and saddled him with one lawsuit after another. Now and then they also secured a conviction, but without being able to divert the brave man from his path.
Independently of that in the German Reich, anti-Judaism had developed in German-Austria. Its father and long-time leader was Georg Ritter von Schönerer. He was a radical thinker in every respect. He was a staunch Pan-German, a staunch opponent of the Jews, and also an opponent of clericalism. The inspiring speakers Franz Stein, Karl
- 320 -
Show Original German Text
Es waren jedoch nicht nur sachliche Meinungsverschiedenheiten, welche den Bestand einer einheitlichen Partei erschwerten. Verhängnisvoll machten sich auch der Ehrgeiz, der Eigensinn und die Disziplinlosigkeit der Führer geltend. Bald entzweiten sich auch noch Dr. Boeckel und Zimmermann, so daß das Gesamtbild der Bewegung ein recht unerfreuliches wurde. Später kamen noch andere Männer und andere Richtungen hinzu: Alwardt wurde in Amswalde gewählt und wurde der Mittelpunkt des sogenannten „Radau-Antisemitismus“. Als aber die Bewegung an öffentlichem Ansehen schon sehr gelitten hatte, traten einige Männer in den Vordergrund, die sehr emst zu nehmen waren und Achtung bei Freund und Feind genossen: der schon erwähnte Fnednch Raab aus Hamburg, Graf Ludwig Reventlow aus Kiel (der Bruder von Emst Reventlow) der Richter Laftmann aus Schmalkalden und der Führer des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, Wilhelm Schack. Aber diese Blütezeit der Bewegung dauerte nicht lange Wilhelm Schack mußte sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen Graf Ludwig Reventlow starb, und Raab, durch den Verlust seiner liebsten Kampfgenossen seelisch erschüttert, alterte vor der Zeit. Schon vorher war Dr. Boeckel aus der Bewegung verschwunden. Er, der keinen Funken kaufmännischer Begabung besaß, hatte in Marburg eine große Buchdruckerei gegründet, die er nicht durchzuhalten vermochte. Er muß sich nach Berlin zurückziehen und froh sein, daß er dort in dem ehedem von ihm bekämpften „Bund der Landwirte“ ein Unterkommen fand. Heute deckt auch den ehemaligen hessischen Bauemkönig längst die Erde. Im allgemeinen muß man sagen, daß die Geschichte des Partei-Antijudaismus wenig erfreulich ist. Die meisten seiner Vertreter stellten sich auf Agitation ein. Der Versammlungserfolg wurde das Maß der Dinge. Die wissenschaftlichen Forschungen der Vorläufer des politischen Antijudaismus traten ganz in den Hintergrund. Der Kampf gegen Gesinnungsverwandte wurde mit mehr Gründlichkeit und vor allen Dingen mit mehr Erbitterung geführt als der Kampf gegen grundsätzliche Gegner. Ein Mann blieb in dieser Zeit, wie auch früher und später, im Hintergrund: Theodor Fntsch in Leipzig. Er wurde der Schnftsteller, Matenalsammler und Forscher der Bewegung. In der eigentlichen Parteiarbeit trat er nur wenig hervor. Dagegen war er unermüdlich in der Herausgabe von Schnften und Flugblättem. Er gab die „Brennenden Fragen“, das „Handbuch der Judenfrage“ und eine Reihe anderer Bücher heraus. Er bemühte sich emstlich und unter großen persönlichen Opfem, die Verflachung der antijüdischen Bewegung zu verhindem. Und er hat sie tatsächlich verhindert. Nach und nach gelang es ihm, eine groß und größer werdende Gemeinde von Männem (und Frauen) um sich zu sammeln, die sich von Phrase und Tagesmeinung unabhängig gemacht hatten. Diese Schar blieb auch zusammen, als in den Jahren vor dem ersten Weltknege der politische Antijudaismus nicht mehr viel bedeutete. Die Führer der Juden kamen auch sehr bald dahinter, daß Theodor Fntsch ihr schlimmster, weil besonnenster, bestunternchteter, am sachlichsten kämpfender Gegner war. Sie denunzierten ihn, wo sie nur konnten, und hängten ihm einen Prozeß nach dem anderen an. Hin und wieder erzielten sie auch eine Verurteilung ohne damit aber den tapferen Mann von seinem Wege abbnngen zu können. Unabhängig von dem reichsdeutschen hatte sich der Antijudaismus in Deutsch-Österreich entwickelt. Sein Vater und langjähnger Führer war Ritter Georg von Schönerer. Er dachte radikal in jeder Beziehung. Er war entschiedener Alldeutscher, entschiedener Judengegner und nebenbei auch ein Gegner des Klenkalismus. Die begeistemden Redner Franz Stein, Karl - 320 -