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Then, in the 1870s, the court chaplain Adolf Stoecker appeared in Berlin. He was not an “anti-Semite” in the usual sense of the word, and yet, in a way, he became the father of German “anti-Semitism.” Stoecker, whom Kaiser Wilhelm I had summoned from Metz to Berlin, recognized the danger inherent in Social Democracy just a few years after the war of '70. He also recognized that the Social Democratic movement could not be suppressed by force. In public meetings in Berlin, he began to wrestle with the Marxist leaders for the soul of the German worker. Initial failures did not disturb the courageous man. His bravery and the power of his speech soon made an impression on the initially reluctant masses. Social Democracy had found an opponent the likes of which it had not yet known. A later writer (Paul Broecker) once wrote that Social Democracy had once felt Stoecker’s grip on its neck and had never again been able to completely shake off the mark of this deadly grip. In his fight against Social Democracy and anarchism for Christianity and monarchy, Stoecker had to recognize that broad sections of Jewry, but especially the Jewish metropolitan press, were inwardly on the side of Marxism and hardly concealed their bitter hatred of Christianity, Germanness, and monarchy. Then he dared to advise the Jews, whom he otherwise considered the “chosen people” of the Bible, that they should practice a little more modesty.
The advice was good; following it would also have been in the interest of the Jews. But Jewish vanity could not bear the slightest reprimand. In the Jewish and Jewish-influenced press, a storm of indignation arose; Stoecker was branded a sinister figure, a fanatic. His personal life was observed, his every word was written down in order to be able to construe contradictions from them, traps were set for him, he was entangled in lawsuits, but they were unable to bring the brave man down. They achieved the opposite of what they had wanted to achieve: for one thing, Stoecker became an ever sharper opponent of the Jews, and for another, the crowds of workers and small middle-class people, as well as students, who saw their leader in Stoecker, grew ever denser. Unfortunately, the successes that Stoecker achieved in dozens of public meetings could not take full effect. Stoecker was an excellent speaker, an outstanding agitator, but not an organizer. Also, his hostility to Jews was based less on racial insights than on Christian-religious considerations. So it remained at the level of brilliant meetings, which unfortunately fizzled out all too soon. In addition, for higher political reasons, Bismarck did not promote the so-called “Berlin Movement” ignited by Stoecker, but hindered it. The movement faltered; Stoecker was forced to leave the German-Conservative Party, and he finally stood as a lonely man in an open field, admired by many, but without significant political power. But the seed he had sown sprouted here and there. When the German National People's Party was formed in the winter of 1918–1919, there were among the founders a good number of Stoecker’s pupils, such as the representatives Behrens, Hülser, Mumm, Lindner, etc.
Meanwhile, other centers of anti-Judaism had also formed: In 1880, Bernhard Förster, Nietzsche’s brother-in-law and the older brother of the later anti-Jewish representative Paul Förster, had gathered 265,000 signatures for a, by the way, quite tame “Anti-Semites’ Petition”. The Reich Chancellor was then called upon to take measures against the
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Da trat in den 70er Jahren in Berlin der Hofprediger Adolf Stoecker auf. Er war kein „Antisemit“ im üblichen Sinne des Wortes und wurde doch gewiſſermaßen zum Vater des deutschen „Antisemitismus“. Stoecker, den Kaiſer Wilhelm I. von Metz nach Berlin gerufen hatte, erkannte schon wenige Jahre nach dem 70er Knege die in der Sozialdemokratie liegende Gefahr. Er erkannte auch, daß die ſozialdemokratische Bewegung nicht mit Gewalt zu unterdrücken ſei. Er begann in öffentlichen Verſammlungen in Berlin mit den marxistischen Führem um die Seele des deutschen Arbeiters zu nngen. Anfängliche Miſſerfolge störten den mutigen Mann nicht. Seine Tapferkeit und die Gewalt ſeiner Rede machten bald Eindruck auf die erst widerstrebenden Maſſen. Die Sozialdemokratie hatte einen Gegner gefunden, wie ſie ihn noch nicht kennengelemt hatte. Ein späterer Schnfsteller (Paul Broecker) schneb einmal, daß die Sozialdemokratie den Gnff Stoeckers am Halſe einmal gefühlt habe und das Mal dieſes tödlichen Gnffes nie wieder ganz los geworden ſei. In ſeinem Kampfe gegen Sozialdemokratie und Anarchismus für Chnstentum und Monarchie mußte Stoecker erkennen, daß breite Schichten des Judentums, beſonders aber die jüdische Großstadtpreſſe, innerlich auf der Seite des Marxismus standen und ihren bitteren Haß gegen Chnstentum, Deutschtum und Monarchie kaum verhehlten. Da wagte er es, den Juden, die er im übngen für das „auserwählte Volk“ der Bibel hielt, zu raten, daß ſie doch ein wenig mehr Bescheidenheit üben möchten. Der Rat war gut; ſeine Befolgung hätte auch im Intereſſe der Juden gelegen. Aber die jüdische Eitelkeit ertrug nicht die kleinste Zurechtweiſung. In der jüdischen und jüdisch beeinflußten Preſſe erhob ſich ein Sturm der Entrüstung, Stoecker wurde zu einem Finsterling, zu einem Fanatiker gestempelt. Man beobachtete ſein persönliches Leben man schneb jedes ſeiner Worte auf, um Widersprüche daraus konstruieren zu können, man stelle ihm Fallen, verwickelte ihn in Prozeſſe, aber man vermochte den tapferen Mann nicht zu Fall zu bnngen. Man erreichte das Gegenteil von dem, was man hatte erreichen wollen: Stoecker wurde einmal ein immer schärferer Judengegner, zum anderen aber wurden die Scharen der Arbeiter und kleinen Mittelständler, aber auch der Studenten, die in Stoecker ihren Führer erblickten, immer dichter. Leider vermochten die Erfolge, die Stoecker in Dutzenden von öffentlichen Verſammlungen errang ſich nicht voll auszuwirken. Stoecker war ein vorzüglicher Redner, ein ausgezeichneter Agitator, aber kein Organiſator. Auch war ſeine Judenfeindschaft weniger auf raſſische Erkenntniſſe als vielmehr auf chnstlich-religiöſe Erwägungen gegründet. So blieb es bei glänzenden Verſammlungen, die leider nur zu bald verpufften. Hinzu kam, daß Bismarck aus höheren politischen Gründen die von Stoecker entfachte ſogenannte „Berliner Bewegung“ nicht förderte, ſondem behinderte. Die Bewegung kam ins Stocken; Stoecker wurde genötigt aus der deutsch-konſervativen Partei auszutreten, und er stand schließlich als einſamer Mann auf weiter Flur, zwar von vielen verehrt, aber ohne erhebliche politische Macht. Aber der von ihm ausgestreute Samen ging da und dort auf. Als ſich im Winter 1918–1919 die Deutschnationale Volkspartei bildete, da waren unter den Gründem eine ganze Anzahl Schüler Stoeckers, ſo die Abgeordneten Behrens, Hülſer, Mumm, Lindner usw. Inzwischen hatten ſich auch andere Zentren des Antijudaismus gebildet: Im Jahre 1880 hatte Bemhard Förster, der Schwager Nietzsches und ältere Bruder des späteren antijüdischen Abgeordneten Paul Förster, für eine, übngens recht zahme „Antisemitenpetition“ 265 000 Stimmen aufgebracht. Der Reichskanzler wurde dann aufgefordert, Maßnahmen gegen das - 317 -