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rapes, several seductions, a pogrom, several murders and suicides. It is the criminal districts and pimps' bars, the opium dealers, gambling dens, the night shelters and prisons in which these actions take place! The entire tragedy of the fate of the German people speaks from the documents of that time. Upon a people that had stood for years against a whole world of enemies, had starved and bled, upon this weakened body of the people, these speculators pounced with spiritual human assets. When the indignation of the German people over the indecent content of the film strips had reached its peak, the film manufacturers resorted to the trick of using science as a cloak for so-called "educational films." The "authors" of these educational films allegedly pursued the purpose of warning young people of the dangers that threaten them upon entering life. The first film was produced under the protection of the Committee for Combating the International Trafficking of Girls and ran under the titles: "The White Slave," "Hyenas of Lust," etc., in numerous small provincial towns. Many young girls probably learned for the first time through these films what kind of sins exist in the world, and many a youth only learned through them of the places of sinful lust. With the cooperation of the German Society for Combating Venereal Diseases, another "educational film" appeared: "Let There Be Light." According to a report by Dr. Schweissheimer in the German Medical Journal of 1919, at the time of this film's screening, the treatment centers for venereal diseases were said to have filled with "warned" and "enlightened" people ("The Importance of Film for Social Hygiene and Medicine," 1920). Prof. Lange writes on this: "It advertised for the syphilis specialists, as the only saviors in time of need, because they would have nothing to do if the youth did not sin, and last but not least – it created a viable film that brought in a lot of money, and that was the main thing." But the people gathered in "Associations for the Preservation of Decency and Morals"! Particularly devastating for film production is a report submitted by 40 men and women of the "People's Community for the Preservation of Decency and Morals" in Cologne about their visit to 36 cinemas, which refers to 200 films that were then running in movie theaters of various ranks. This report was submitted by the Reich Ministry of the Interior to the committee of the National Assembly for the examination of the new Cinema Law (Printed Matter of the National Assembly, No. 2317, 1920, pp. 51-54). In connection with this report, a finding from the judicial experience of the Hamm Higher Regional Court is revealing. According to this, the number of juvenile criminals rose from 4,200 in 1914 to 34,600 in 1919! And how were these achievements of "German" filmmakers reported to foreign countries by the Berlin correspondents?
The correspondent of the "Petit Parisien".
"The German, whether he made the revolution or just let it happen to him, does not know what freedom is. Where, when, and how should he have learned it? What he wants is change. And for him, this means disorder, lack of discipline, idleness. The hitherto most disciplined and industrious people in Europe no longer finds any taste for work and order. Hence the senseless strikes, the indecencies in clothing and the offensive immorality. An example: Last Sunday I observed the crowd thronging at the entrance of a cinema, women, young girls, and children. On the posters of the theater, I read: 'Paragraph 175,' an educational film about homosexuality. Three steps away, a small weekly was being sold. Then the publisher became indignant in the name of medical
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Vergewaltigungen, mehrere Verführungen, ein Pogrom, mehre Morde und Selbstmorde. Es ſind die Verbrecherviertel und Zuhälterkneipen, die Opiumhändler, Spielhöllen, die Nachtaſyle und Gefängniſſe, in denen dieſe Handlungen spielen! Die ganze Tragik des Schickſals des deutschen Volkes spncht aus den Dokumenten jener Zeit. Auf ein Volk, das jahrelang gegen eine ganze Welt von Feinden gestanden, gehungert und geblutet hat, auf dieſen geschwächten Volkskörper stürzten ſich dieſe Spekulanten mit geistigem Menschengut. Als die Entrüstung des deutschen Volkes über den unanständigen Inhalt der Bildstreifen ihren Höhepunkt erreicht hatte, verfielen die Filmfabnkanten auf den Tnck, die Wiſſenschaft als Deckmantel für ſogenannte „Aufklärungsfilme“ heranzuziehen. Die „Dichter“ dieſer Aufklärungsfilme verfolgten angeblich den Zweck, Jugendliche vor den Gefahren zu wamen, die ihnen beim Eintntt ins Leben drohen. Der erste Film wurde unter dem Schutze des Komitees zur Bekämpfung des intemationalen Mädchenhandels hergestellt und lief unter den Titeln: „Die weiße Sklavin“, „Hyänen der Lust“ usw. in zahlreichen kleinen Provinzstädten. Viele junge Mädchen werden durch dieſe Filme wohl zum ersten Male erfahren haben, was es für Sünden in der Welt gibt, und mancher Jüngling hat erst durch ihn Kenntnis von den Stätten der Sünderlust bekommen. Unter Mitwirkung der deutschen Geſellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ist ein anderer „Aufklärungsfilm“ erschienen: „Es werde Licht.“ Nach einem Bencht von Dr. Schweißheimer in der Deutschen medizinischen Zeitschnft 1919 ſollen ſich zur Zeit der Vorführung dieſes Films die Behandlungsstätten für Geschlechtskrankheiten mit „Gewamten“ und „Aufgeklärten“ gefüllt haben („Die Bedeutung des Films für ſoziale Hygiene und Medizin“, 1920). Prof. Lange schreibt dazu: „Er hat für die Syphilis-Spezialisten, als einzige Retter in der Not, Reklame gemacht, denn ſie hätten ja nichts zu tun, wenn die Jugend nicht ſündigte, und last not least – er hat einen gangbaren Film geschaffen, der viel Geld eingebracht hat, und das war die Hauptſache.“ Das Volk aber ſammelte ſich in „Vereinen zur Wahrung von Anstand und Sitte“! Beſonders vemichtend für die Filmherstellung ist ein Bencht, den 40 Männer und Frauen der „Volksgemeinschaft zur Wahrung von Anstand und Sitte“ in Köln über ihren Beſuch von 36 Kinos erstattet haben, und der ſich auf 200 Filme bezieht, die damals in den Filmtheatem verschiedensten Ranges liefen. Dieſer Bencht wurde vom Reichsministenum des Innem dem Ausschuß der Nationalverſammlung zur Prüfung des neuen Lichtspielgeſetzes vorgelegt (Druckſachen der Nationalverſammlung, Nr. 2317, 1920, S. 51-54). Im Zuſammenhang mit dieſem Bencht ist eine Feststellung aus genchtlichen Erfahrungen des Oberlandesgenchts Hamm aufschlußreich. Hiemach ist die Zahl der jugendlichen Verbrecher von 4.200 im Jahre 1914 auf 34.600 im Jahre 1919 gestiegen! Und wie wurden dieſe Leistungen „deutscher“ Filmschöpfer von den Berliner Vertretem nach dem Auslande benchtet? Der Benchterstatter des „Petit Panſien“ schneb: „Der Deutsche, einerlei ob er die Revolution gemacht hat, oder ob er ſie nur über ſich hat ergehen laſſen, weiß nicht, was Freiheit ist. Wo, wann und wie ſollte er es auch gelemt haben? Was er will, ist Veränderung. Und dieſe bedeutet für ihn Unordnung, Zuchtloſigkeit, Müßiggang. Das bisher disziplinierteste und fleißigste Volk Europas findet an Arbeit und Ordnung keinen Geschmack mehr. Daher die ſinnloſen Streiks, die Unanständigkeiten in der Kleidung und die beleidigende Sittenloſigkeit. Dafür ein Beispiel: Letzten Sonntag beobachtete ich die Menge, die ſich am Eingang eines Kinos drängte, Frauen, junge Mädchen und Kinder. Auf den Plakaten des Theaters las ich: ‚Paragraph 175‘, Aufklärungsfilm über die Homosexualität. Drei Schntte weiter wurde eine kleine Wochenschnft verkauft. Dann empörte ſich der Herausgeber im Namen der medizinischen - 207 -