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"great" social democratic leader was Paul Singer, who gave the seamstresses who could not make ends meet with their wages the advice to go to Friedrichstraße and earn the missing amount. Thus, there is no doubt that department stores and ready-made clothing became huge recruiting grounds for prostitution. It is also striking that the department stores mostly employed young saleswomen. They were usually dismissed when they reached a certain age. When the organization of Berlin's commercial auxiliary workers went on strike in 1926 and an impartial arbitration award was issued that set the wages, all Berlin shops complied with this award, with the exception of the department stores A. Wertheim, Tietz, Jandorf, and the Kaufhaus des Westens, i.e., all of Berlin's large-scale department stores. In the functionaries' meeting of the said organization, union secretary Pollmerer reported that these firms had, on their own authority, significantly reduced the rates of the arbitration award and had "simply dictated" their rates. But the department stores were unsocial not only in the area of wages. By luring women in particular into unnecessary purchases, by fobbing off "junk" on the buyers, they lowered the standard of living of less well-off people and their state of culture. When someone surrounds himself in his apartment with the cheap monstrosities that the department store sells, his cultural level suffers.
There is a difference between putting aside penny after penny in order to finally, perhaps after years, place a good bronze on the mantelpiece or hang a valuable picture on the wall, and someone lugging these pennies one by one to the department store to "decorate his home" with the splendors exchanged for them and to transform it into a small-scale exhibition of "household horrors."
The expansion of the department store business corresponded to the lack of instinct of the metropolitan buyers. In Berlin in 1933, the Tietz company alone operated ten enormous department stores. In addition, there were the mammoth enterprises of the Karstadt group. In the working-class district of Neukölln, Karstadt had erected a building on a plot of 16,000 square meters, which cost well over 15 million Marks. Branches of similar scale were erected in Schöneberg and Moabit. Karstadt, too, operated with hundreds of millions in Berlin alone. Since the conditions in most large German cities were roughly the same (corresponding to the mutual relationship between population and invested capital), one can get an idea of how devastating the department store visits of Germans, especially German women, have been on the German middle class. It is now thoroughly Jewish that this destruction of the German middle class was carried out with foreign capital. On the occasion of the merger of the Tietz group, the leading newspaper of the Communist Party, the "Rote Fahne" (December 3, 1928), wrote: "The department store capital in Germany is, by means of concentration, becoming investment capital for international finance capital in exactly the same way as the capital of the heavy and chemical industries." In another place, it says: "A purchase price of up to 60 million Marks is named for the Jandorf enterprises. Tietz denies that this huge sum was paid with American money. But one must understand how to read between the lines. For the major bank that is mediating the financial side of this concentration is the Disconto-Gesellschaft, which is tied to English and American bank capital. It is further admitted that Tietz's friends at home and abroad are providing him with a portion of the funds. Finally, a large part of the liquid funds in Germany, which make it possible for the Disconto-Gesellschaft to undertake such giant financing at all, comes from American loans. In any case, it is certain that, just as Karstadt works with
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"große" sozialdemokratische Führer Paul Singer war und die den Nähennnen, die mit ihren Löhnen nicht auskommen konnten, den Rat gab, auf die Fnednchstraße zu gehen und sich das Fehlende hinzuzuverdienen. So ist es kein Zweifel, daß Warenhaus und Konfektion gewaltige Rekrutierungsgebiete für die Prostitution wurden. Auffallend ist femer, daß die Warenhäuser größtenteils junge Verkäufennnen beschäftigten. Meist wurden ſie entlaſſen, wenn ſie ein gewisses Lebensalter erreicht hatten. Als die Organisation der Berliner Handelshilfsarbeiter 1926 in eine Lohnbewegung beigetreten und ein unparteiischer Schiedsspruch ergangen war, der die Löhne festſetzte, fügten ſich dieſem Schiedsspruch alle Berliner Geschäfte, mit Ausnahme der Warenhäuser A. Wertheim, Tietz, Jandorf und das Kaufhaus des Westens, d.h. alle Berliner Warenhäuser großen Maßstabes. In der Funktionsverſammlung der genannten Organisation benchtete der Gewerkschaftsſekretär Pollmerer daß dieſe Firmen die Sätze des Schiedsspruches aus eigener Machtvollkommenheit ganz bedeutend herabgeſetzt und ihre Tanfe "einfach diktiert" hätten. Aber die Warenhäuſer wirkten nicht nur auf dem Lohngebiete unſozial. Dadurch, daß ſie beſonders die Frauen zu unnötigen Einkäufen verleiteten, daß ſie den Käufem "Poſel" andrehten, drückten ſie die Lebenshaltung der weniger bemittelten Menschen und ihren Kulturzustand herunter. Wenn ſich jemand in ſeiner Wohnung mit den billigen Scheußlichkeiten umgibt, die das Warenhaus verkauft, ſo leidet darunter ſein Kultumiveau. Es ist ein Unterschied, ob man Groschen auf Groschen beiseite legt, um ſich schließlich, nach Jahren vielleicht eine gute Bronze auf den Sims zu stellen oder ein wertvolles Bild an die Wand zu hängen, oder ob jemand dieſe Groschen einzeln ins Warenhaus schleppt, um mit den dafür eingetauschten Herrlichkeiten "ſein Heim zu schmücken" und es in eine "Hausgreuel"-Ausstellung im kleinen zu verwandeln. Der Instinktloſigkeit der großstädtischen Käufer entsprach die Ausdehnung des Warenhausbetnebes. In Berlin betneb 1933 die Firma Tietz allein zehn neſenhafte Warenhäuſer. Dazu kamen noch die Mammut-Untemehmungen des Karstadt-Konzemes. Karstadt hatte in dem Arbeiterbezirk Neukölln ein Haus auf einem Grundstück von 16.000 Quadratmetem ernchtet, das weit über 15 Millionen Mark Kosten erfordert hat. Niederlaſſungen ähnlichen Ausmaßes wurden in Schöneberg und in Moabit ernchtet. Auch Karstadt arbeitete mit Hunderten von Millionen allein in Berlin. Da die Zustände in den meisten deutschen Großstädten ungefähr die gleichen waren (entsprechend dem wechſelſeitigen Verhältniſ von Einwohnerzahl und investiertem Kapital), ſo kann man ſich einen Begnff machen, wie vemichtend die Warenhausbeſuche der Deutschen, beſonders der deutschen Frauen, unter dem deutschen Mittelstande gewirkt hat. Es ist nun durchaus jüdisch, daß dieſe Vemichtung des deutschen Mittelstandes mit ausländischem Kapital vorgenommen wurde. Anläßlich des Zuſammenschluſſes des Tietz-Konzems schneb das führende Blatt der kommunistischen Partei, die „Rote Fahne“ (3. Dezember 1928): "Das Warenhauskapital in Deutschland wird mittels der Konzentration genau ſo zum Anlagekapital des intemationalen Finanzkapitals wie das Kapital der Schwer- und der Chemieindustne." An einer anderen Stelle heißt es: "Als Kaufpreis für die Jandorf-Untemehmungen wird eine Summe bis zu 60 Millionen Mark genannt. Daß dieſer Rieſenbetrag mit amenkanischem Gelde bezahlt ſei, bestreitet Tietz. Man muß aber zwischen den Zeilen zu leſen verstehen. Denn die Großbank, die die finanzielle Seite dieſer Konzentration vermittelt, ist die Diskontegeſellschaft, die an englisches und amenkanisches Bankkapital gebunden ist. Weiter wird zugegeben, daß die in- und ausländischen Freunde von Tietz ihm einen Teil der Mittel zur Verfügung stellen. Schließlich stammt ein großer Teil der in Deutschland flüſſigen Gelder, die es der Diskontogeſellschaft überhaupt möglich machen, ſolche Rieſenfinanzierung vorzunehmen, aus den amenkanischen Krediten. Sicher ist jedenfalls, daß, genau ſo wie Karstadt mit - 190 -