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? This 'knowing,' of course, has desperately little to do with real knowledge of the Bible. But even a superficial connoisseur of the Old Testament should know that sin is never and nowhere glorified or even presented as tempting. On the contrary: sin is ruthlessly condemned, but the penitent sinner is shown the way to God's mercy. What Goethe once said about the works of the great English poet Shakespeare also applies to the Old Testament: We are shown deadly poison in a sealed, clearly polished bottle, so that we can get to know it without danger and can guard against it. The offensive stories all bear the inscription above them: 'Sin is the people's ruin.' In this respect, the Old Testament stands alongside the greatest poetic works of the Greek Sophocles, who also occasionally shows 'offensive stories,' but then also the terribly destructive effect of injustice, in order, as another great Greek (Aristotle) says, 'through fear and pity to cleanse the spectator of these passions'." As is well known, there is no accounting for taste. Another orthodox paper, "Unsere Kirche," an Evangelical parish newsletter in Breslau (June 2, 1935), even makes the Old Testament a promoter of Nordic spiritual life! It writes:
"The history of German spiritual life is an unexpectedly polyphonic testimony to the unique importance of the Old Testament. The common basis on which we place both is German spiritual life."
Thus I could continue for pages to show: The Evangelical Church, which does not give up the Old Testament, does not prove itself before the tribunal of Nordic spiritual life to be a bigoted, Judaized assassin of our innate character, but rather it finds itself in the best company. Should not all attackers of the Old Testament first thoroughly grapple with this fact?" One could continue the series of such testimonies of unnaturalness and degeneration at will. Indeed, the substance remains Jewish, and where it is abandoned, everything falls, that is quite clear. What is and was the whole struggle in the Evangelical Church about, as it began with the turn of the national revolution? Solely and exclusively about the full validity of the Jewish documents! About nothing else at all. The völkisch idea has eaten its way into the church; it must be eliminated by emphasizing the maintenance of the totality of its Jewish origin and Jewish rootedness. In all this, the terrible tragedy of German history reveals itself. German people march with the best of intentions, without knowing or wanting it, in foreign pay, marching against their own people and rebelling against the complete reshaping of the German national character. And their deed is service to the highest religion! Can the confusion go any higher?
The Influencing of Public Opinion
Press in Germany
1. The Situation before 1933
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finden? Dieses ‚Kennen‘ hat ja freilich mit wirklicher Bibelkenntniß verzweifelt wenig zu tun. Soviel aber sollte auch ein oberflächlicher Kenner des Alten Testaments wiſſen, daß da niemals und nirgends die Sünde verherrlicht oder gar als verlockend hingestellt wird. Im Gegenteil: die Sünde wird rücksichtsloſ verurteilt, dem bußfertigen Sünder aber der Weg zum Erbarmen Gottes gezeigt. Was Goethe einmal von den Werken des großen englischen Dichters Shakespeare ſagt, gilt auch vom Alten Testament: Es wird uns tödliches Gift in einer verschloſſenen, klar geschliffenen Flasche gezeigt, daß wir es gefahrlos kennenlemen und uns vor ihm hüten können. Die anstößigen Geschichten tragen alle über ſich die Inschnft: ‚Die Sünde ist der Leute Verderben.‘ In dieſer Beziehung steht das Alte Testament neben den größten Dichtungen des Gnechen Sophokles, der auch gelegentlich ‚anstoßige Geschichten‘ zeigt, aber alsbald auch die furchtbar vemichtende Wirkung des Unrechts, um, wie ein anderer großer Gneche (Anstoteles) ſagt, ‚durch Furcht und Mitleid den Beschauer von dieſen Leidenschaften zu reinigen‘.“ Über den Geschmack läßt ſich ja bekanntlich nicht streiten. Ein anderes orthodoxes Blatt, „Unſere Kirche“, Evangelisches Gemeindeblatt in Breslau (2. Juni 1935), macht das Alte Testament gar zum Förderer des nordischen Geisteslebens! Es schreibt: „Die Geschichte des deutschen Geisteslebens ist ein ungeahnt vielstimmiges Zeugnis für die einzigartige Bedeutung des Alten Testaments. Die gemeinſame Baſis, auf die wir beide stellen, ist das deutsche Geistesleben.“ So könnte ich ſeitenlang fortfahren, um darzutun: Die Evangelische Kirche, die das Alte Testament nicht preisgibt, erweist ſich vor dem Richterstuhl des nordischen Geisteslebens nicht als ein bomierter, verjudeter Attentäter auf unſere eingeborene Art, ſondem ſie befindet ſich in der besten Geſellschaft. Müßten nicht alle Angreifer des Alten Testaments erst einmal ſich gründlich mit dieſer Tatſache auseinanderſetzen?“ Man könnte die Reihe ſolcher Zeugniſſe der Widematürlichkeit und der Entartung beliebig fortſetzen. In der Tat, die Substanz bleibt jüdisch, und wo ſie preisgegeben wird, fällt alles, das ist ganz klar. Worum geht und ging der ganze Kampf in der Evangelischen Kirche, wie er durch die Wende der nationalen Revolution anhub? Einzig und allein um die Vollgültigkeit der jüdischen Urkunden! Um gar nichts anderes. Der völkische Gedanke hat ſich in die Kirche eingefreſſen, er muß ausgeschaltet werden durch die Betonung der Aufrechterhaltung der Totalität des jüdischen Ursprungs und der jüdischen Verwurzelung. In all dem offenbart ſich die furchtbare Tragik der deutschen Geschichte. Deutsche Menschen marschieren in bester Abſicht, ohne es zu wiſſen und zu wollen, in fremdem Sold, marschieren gegen ihr eigenes Volk und lehnen ſich gegen die völlige Neugestaltung des deutschen Volkstums auf. Und ihr Tun ist Dienst an der höchsten Religion! Kann die Verwirrung noch höher gehen? Die Beeinflussung der öffentlichen Meinung Preſſe in Deutschland 1. Die Lage vor 1933 - 171 -