
Page 171 • Click to zoom
Page 171 of 339
But here it was only a matter of one individual's opinion; the time that followed has made it perfectly clear that a separation of Christianity from Judaism is simply practically impossible. The struggle of the Protestant movements among themselves and against each other has more or less ended with a victory for Judaism within the Christianity of Protestantism; there can no longer be the slightest doubt about this, even if Reich Bishop Müller (see above) did not want Christianity to be born out of Judaism, but rather as having "arisen in the struggle against Judaism." Could one have stood up more clearly for Judaism and its "values" handed down to us through the Old Testament than the German-Christian state bishop of Hesse, Dr. Dietrich, did in October 1934? At the autumn meeting of the Hessian state association of the Evangelical Reich Women's Aid, he justified the Old Testament as follows: "Contrary to the accusations often adopted even by German Christians against the Old Testament—that, being born of the Jewish spirit, it is unbearable for the Germanic national sentiment because it preaches an 'inferior ethic' and only maintains the intolerable claim of the Jews to be the 'chosen people'—he holds fast to the importance and indispensability of the Old Testament for Christianity and especially also for German Christianity. The criticism of the Old Testament is nothing new. The consciousness of being chosen was 'a healthy phenomenon' in the Jewish people, especially since the prophets had always pointed to the responsibility associated with this election. In conclusion, Dr. Dietrich emphasized the far-reaching effect and great importance of the Old Testament for our German culture as well, from which it is impossible to imagine being without it, just as it is from school and church." ("Deutsches Volksblatt," October 25.) But one asks oneself: What difference might there be between the German-Christian state bishop and Cardinal Faulhaber? None at all! In any case, the sentences that Friedrich Karl Feigel writes in "Christliche Welt" (No. 13, 1935, col. 600) characterize not only the ecclesiastical situation of Protestantism, but also each of the individual, feuding church-political groups, the Orthodox as well as the Liberals and German Christians: "It remains so: the 'Old Testament' – and I fundamentally count among it, as stated above, also the historical Jesus and his proclamation as the classic document of the highest divine revelations that have been bestowed upon humanity to this day. Here is the firm fortress of our faith, from which we may confidently dare to wage our German struggle! If anything is congenial to the German, whose religious prehistory was darkened by the striking shadows of the belief in fate, then it is the manly, brave faith in God of the Old Testament and of Jesus." Do people who write such things not judge themselves? In the "Evangelisches Gemeindeblatt für München" (March 31, 1935), however, a stand is taken against all opponents of the Old Testament who rejected it out of a justified sense of decency, and this book is even ranked among the greatest literary works in human history: "Strange! Enemies and 'critics' of the Old Testament are usually best versed in the 'disreputable stories' of this book. They know them, they know exactly where to find them. Do they find the good things in the Old Testament just as quickly
Show Original German Text
Aber hier handelte es sich nur um die Meinung eines einzelnen, darüber hat die folgende Zeit völlig Klarheit geschaffen, daß eine Trennung des Chnstentums vom Judentum einfach praktisch unmöglich ist. Der Kampf der protestantischen Richtungen untereinander und gegeneinander hat mehr oder weniger doch mit einem Sieg des Judentums im Chnstentum des Protestantismus geendet, darüber kann nicht der leiseste Zweifel mehr bestehen, auch wenn der Reichsbischof Müller (siehe oben) das Chnstentum nicht aus dem Judentum herausgeboren wissen wollte, sondem als „im Kampf gegen das Judentum entstanden“ konnte man sich eindeutiger für das Judentum und seine uns durch das Alte Testament überlieferten „Werte“ einsetzen, als dies der deutschchnstliche Landesbischof von Hessen, Dr. Dietnch, im Oktober 1934 getan hat? Bei der Herbstversammlung des hessischen Landesverbandes der Evangelischen Reichsfräuenhilfe rechtfertigte er das Alte Testament folgendermaßen: „Entgegen den auch bei den Deutschen Chnsten vielfach übemommenen Vorwürfen gegen das Alte Testament, das aus jüdischem Geist geboren für das germanische Volksempfinden untragbar sei, weil es eine 'minderwertige Ethik' predige und nur den unerträglichen Anspruch der Juden aufrechterhalte, 'auserwähltes Volk' zu sein, hält er an der Bedeutung und Unentbehrlichkeit des Alten Testaments für das Chnstentum und insbesondere auch für das deutsche Chnstentum fest. Die Kntik am Alten Testament sei ja nichts Neues. Das Bewußtsein der Auserwählung sei im Judenvolk 'eine gesunde Erscheinung' gewesen, zumal die Propheten immer auf die mit dieser Erwählung verbundene Verantwortung hingewiesen hätten. Zum Schlusse betonte Dr. Dietnch die weitreichende Wirkung und große Bedeutung des Alten Testaments auch für unsere deutsche Kultur, aus der es nicht wegzudenken sei, ebenso wenig wie aus Schule und Kirche.“ („Deutsches Volksblatt“, 25. Oktober.) Man fragt sich aber: Welcher Unterschied wohl zwischen dem deutsch-chnstlichen Landesbischof und dem Kardinal Faulhaber bestehen mag. Gar keiner! Jedenfalls kennzeichnen die Sätze, die Fnednch Karl Feigel in der „Chnstlichen Welt“ (Nr. 13, 1935, Sp. 600) schreibt, nicht nur die kirchliche Lage des Protestantismus, sondem auch jede der einzelnen sich bekämpfenden kirchenpolitischen Gruppen, die Orthodoxen ebenso wie die Liberalen und Deutschen Chnsten: „Es bleibt dabei: das 'Alte Testament' – und ich rechne zu ihm grundsätzlich, wie oben gesagt, auch den geschichtlichen Jesus und seine Verkündigung als die klassische Urkunde der höchsten Gottesoffenbarungen, die bis jetzt der Menschheit zuteil geworden sind. Hier ist die feste Burg unseres Glaubens, von der aus wir unseren deutschen Kampf getrost wagen dürfen! Wenn dem Deutschen, dessen religiöse Vorgeschichte von den Schlagschatten des Schicksalsglaubens verdüstert wurde, etwas artgemäß ist, dann ist es der männlich-tapfere Gottesglaube des Alten Testaments und Jesu.“ Richten sich Menschen, die so etwas schreiben, nicht selber? Im „Evangelischen Gemeindeblatt für München“ (31. März 1935) aber wird gegen alle Gegner des Alten Testaments angegangen, die es aus berechtigtem Reinlichkeitsgefühl ablehnten, und dieses Buch sogar in die Reihe der größten Dichtungen der Menschheitsgeschichte eingereiht: „Merkwürdig! Feinde und 'Kntiker' des Alten Testaments kennen sich meist in den 'anrüchigen Geschichten' dieses Buches am besten aus. Die kennen sie, von denen wissen sie genau, wo sie zu finden sind. Ob sie die guten Sachen im Alten Testament auch so flink – 170 –