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Jewish people of the present day, ranked second after the wife of President Roosevelt ("Westdeutscher Beobachter", November 24, 1934), the all-too-well-known "C.V.-Zeitung" of the German citizens of the Jewish faith also took up the sermons with enthusiasm and gave the Cardinal the best grade a Christian could ever receive from the Jewish side. Rabbi Dr. Bärwald (Munich) wrote in the "C.V.-Zeitung" (January 4, 1934) under the headline: "New Enthusiasm for our Holy Scripture".
"Also at the end of the last sermon, the exhortation to a thorough reading of the Bible returns: 'The primacy over all books, however, remains with the Book of Books ... A storm is raging through our country that is supposed to sweep the Holy Scriptures, because they are Jewish books, from German soil. I am convinced that this storm will rather ignite a holy fire of new enthusiasm for the holy books among all confessions.' We can only mention these words (of Faulhaber) with gratitude and satisfaction, but above all as an admonition that, as has been said here before, deserves to be heeded also and especially in our midst. Let us read the Bible and then not let us be surpassed by anyone! The study alone of the passages quoted in Faulhaber's sermons would offer immeasurable benefit and—we are sure of this—stimulate further research in the Bible. If the thoughts contained in it then work within us, it will become for us, to speak in its own language, a 'Tree of Life'. We are strengthened in the consciousness of having, in our religion too, a religion of life. It is indeed the constant task to bring religion and life into harmony or at least into connection. How this is done elsewhere is shown in an exemplary manner by the sermons discussed.
If we seek Judaism, we will not find it in doctrines, philosophemes, theoretical discussions, and programmatic declarations. In the living voice of the Bible, in its wonderful reality, it sounds loudest and purest. Here it also becomes practically effective, here religion becomes life, when it leads to a sanctification of our lives. That may suffice for us today, when it has been made almost impossible for us and our religion to be active in public. All the more persistently can we occupy ourselves with ourselves. Only in this way, in the living grasp of religious values, can a religious, a Jewish renaissance, which is needed, begin. Here we truly encounter our Jewish heritage, which, if cultivated with understanding, can develop it further, the neglect of which must lead to signs of decay. Religious consciousness will always remain the measure of Jewish consciousness.
Once again, let Cardinal Faulhaber be quoted: 'People of Israel, this has not grown as your planting in your garden. No, truly, 'it is God's planting'. But He has planted it in our garden and called us to be gardeners, to tend its fruits and to communicate them to the world. We have the humble pride that through us, revelation was given to the world. Let us carry it within us and before us with the feeling of being exalted, of being obligated, of being chosen, but also—and this is nothing else—with the feeling of responsibility that one has towards every difficult task."
Faulhaber's Advent sermons have thus had the effect that Judaism, too, has been strengthened in its consciousness of being chosen; it feels itself more than ever to be "God's planting". Indirectly, therefore, Faulhaber has also promoted the "Jewish Renaissance". 162
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jüdischen Volkes der Gegenwart als zweiter nach der Gattin des Präsidenten Roosevelt eingereicht wurde ("Westdeutscher Beobachter", 24. November 1934), gnff die sattsam bekannte "C.V.-Zeitung" der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens auch noch die Predigten mit Begeisterung auf und erteilte dem Kardinal die beste Note, die ein Chnst von seiten des Judentums überhaupt erhalten konnte. Rabbiner Dr. Bärwald (München) schneb da in der "C.V.-Zeitung" (4. Januar 1934) unter der Überschnft: "Neue Begeisterung für unsere Heilige Schnft". "Auch am Schluß der letzten Predigt kehrt die Mahnung zu eingehender Lektüre der Bibel wieder: 'Der Vorrang vor allen Büchem aber bleibt dem Buch der Bücher ... Es braust ein Sturm durch unser Land, der die heiligen Schnften, weil sie Judenbücher ſeyen, vom deutschen Boden wegfegen soll. Ich habe die Überzeugung, dieser Sturm wird eher bei allen Bekenntnissen ein heiliges Feuer neuer Begeisterung für die heiligen Bücher entzünden.' Wir können diese Worte (Faulhabers) nur mit Dankbarkeit und Befnedigung erwähnen, vor allem aber als Mahnung, die, wie schon einmal an dieser Stelle gesagt wurde, auch und gerade in unserer Mitte beherzigt zu werden verdient. Lesen wir die Bibel und lassen wir uns dann von niemandem übertreffen! Allein das Studium der in den Faulhaberschen Predigten zitierten Stellen würde unermeßlichen Gewinn bieten und - wir sind dessen sicher - zu weiterem Forschen in der Bibel anregen. Wirken dann die in ihr enthaltenen Gedanken in uns, dann wird sie uns, um in ihrer eigenen Sprache zu sprechen, zu einem 'Baum des Lebens'. Wir werden in dem Bewußtsein bestärkt, auch in unserer Religion eine Religion des Lebens zu haben. Es ist ja die stete Aufgabe, Religion und Leben in Einklang oder wenigstens in Verbindung zu bnngen. Wie das an anderer Stelle geschieht, zeigen in vorbildlicher Weise die besprochenen Predigten. Suchen wir das Judentum, so werden wir es nicht finden in Doktnnen, Philosophemen, theoretischen Erörterungen und programmatischen Erklärungen. In der lebendigen Stimme der Bibel, in ihrer wunderbaren Wirklichkeit klingt es am lautesten und reinsten. Hier wird es auch praktisch wirksam, hier wird aus Religion Leben, wenn es zu einer Heiligung unseres Lebens führt. Das mag uns heute genügen, wo uns und unserer Religion das Wirken in der Öffentlichkeit fast unmöglich gemacht ist. Um so nachhaltiger können wir uns mit uns selbst befassen. Nur so, in der lebendigen Erfassung der religiösen Werte, kann eine religiöse, eine jüdische Renaissance einsetzen, die not tut. Hier treffen wir in Wahrheit auf unsere jüdische Erbmasse, die, verständnisvoll gepflegt, sie fortentwickeln kann, deren Vemachlässigung zu Verfallserscheinungen führen muß. Das religiöse Bewußtsein wird immer der Wertmesser des jüdischen Bewußtseins bleiben. Noch einmal sei Kardinal Faulhaber zitiert: 'Volk Israel, das ist nicht als deine Pflanzung in deinem Garten erwachsen. Nein, wahrlich, 'es ist Gottes Pflanzung'. Aber Er hat es in unserem Garten gepflanzt und uns zu Gärtnem berufen, die seine Früchte warten und sie der Welt mitteilen sollen. Wir haben den demütigen Stolz, daß der Welt durch uns die Offenbarung geschenkt ward. Tragen wir sie in uns und vor uns mit dem Gefühl des Erhobenseins, des Verpflichtetseins, des Auserwähltseins, aber auch - und das ist nichts anderes - mit dem Gefühl der Verantwortung, die man jeder schweren Aufgabe gegenüber hat." Die Adventspredigten Faulhabers haben also bewirkt, daß auch das Judentum in seinem Bewußtsein des Auserwähltseins bestärkt wurde, es fühlt sich mehr denn je als "Gottes Pflanzung". Indirekterweise hat also auch Faulhaber die "jüdische Renaissance" gefördert. - 162 -