
Page 155 • Click to zoom
Page 155 of 339
hypocrites." This judgment shows that for long centuries, despite the substance, the opposition to Judaism was very harsh, i.e., the church's attitude was subject to constant change. But until 1918, in Roman canon law, the exceptional laws against the Jews were still formally binding for Christians, even if their observance was no longer valued.
In the ecclesiastical code of law valid until 1918 (Codex juris canonici), the following principles regarding the treatment of Jews were established:
1. The Jews are permitted to live in the midst of Christian peoples with free exercise of their religion. The freedom of their religious practice is to be protected, but in return they must refrain from anything that could injure Christendom in its religious feelings.
2. The settlement of Jews is to be restricted and efforts made to have them live together if possible. For scattered among the people, they are given more opportunity for illicit gain and usury. Canon law justified this with: "The worst agitators for freedom of movement were the Jews. They have infiltrated all wealthy cities in order to suck the wealthy dry."
3. Christians should not use Jews as doctors or nurses, except in case of necessity. For: "The Church holds in honor the body of Christians sanctified by the reception of the sacraments, which it does not wish to place in the treatment of Jewish doctors." In other words, treatment by Jewish doctors is a desecration!
4. The Jew may not hold any public office, especially no judicial, governmental, or teaching position, except in Jewish schools. For: "It is against the dignity of Christians to sit at the feet of a Jewish teacher, to be judged by a Jewish judge. It is against the principles of the Church, against the welfare of the peoples, that Jews should have equal civil rights with Christians, therefore they must not be allowed to rise. Innocent III calls it an absurd idea that a blasphemer of Christ should exercise authority over a Christian."
5. The Christian may not serve the Jew as a domestic servant. Violations are, under certain circumstances, subject to excommunication. As a reason, canon law mentioned with full disgust that among the Jews the custom prevails of pouring the nurses' milk, when they went to the Lord's table at Easter, "in latrinam" for three days. Since such abominations and others still occur among them, a Christian servant must fear divine wrath if he earns his bread in such a house. But if the Jews refused to dismiss their Christian servants and nurses, then all intercourse with Christians was forbidden to them by church law.
6. Jewish commercial and trade life is to be subject to strict control in order to protect Christian peoples from extortionate profiteering.
7. Marriages between Christians and Jews are strictly forbidden because "disparitas cultus" exists. Thus, because of the difference in religion (not because of the difference of confession within the community of the baptized), these marriages are forbidden. Therefore, even Protestants were forbidden to enter into marriage with Jews. For this diriment impediment, a dispensation to enter into a Jewish-Christian mixed marriage could never be obtained from the church.
154
Show Original German Text
Heuchler." Dieses Urteil zeigt, daß lange Jahrhunderte trotz der Substanz der Gegensatz zum Judentum sehr schroff war, d.h. die kirchliche Haltung war stetem Wechsel unterworfen. Aber bis 1918 waren im römischen Kirchenrecht die Ausnahmegesetze gegen die Juden für Chnsten doch noch formell verbindlich, auch wenn auf ihre Beachtung kein Wert mehr gelegt wurde. In dem bis 1918 gültigen kirchlichen Gesetzbuch (Codex juns canonici) wurden folgende Grundsätze hinsichtlich der Behandlung der Juden aufgestellt: 1. Die Juden dürfen im Schoße der chnstlichen Völker bei freier Religionsübung leben. Die Freiheit ihrer Religionsübung ist zu schützen, dafür aber haben sie sich alles dessen zu enthalten, was die Chnstenheit in ihren religiösen Gefühlen verletzen könnte. 2. Die Ansässigmachung der Juden ist zu beschränken und dahin zu wirken, daß sie womöglich zusammen wohnen. Denn im Volke zerstreut ist ihnen mehr Gelegenheit zu unerlaubtem Erwerb und Wucher gegeben. Das begründete das Kirchenrecht damit: "Die ärgsten Agitatoren für die Freizügigkeit waren die Juden. In alle wohlhabenden Städte haben sie sich eingenistet, um die Wohlhabenden auszusaugen." 3. Chnsten sollen weder als Ärzte noch als Krankenpfleger Juden gebrauchen, außer im Falle der Not. Denn: "Die Kirche hält den durch den Empfang der Sakramente geheiligten Leib der Chnsten in Ehren, den sie nicht in Behandlung der Judenärzte geben will." Mit anderen Worten Behandlung durch jüdische Ärzte ist eine Entweihung! 4. Der Jude darf kein öffentliches Amt bekleiden, insbesondere kein Richter-, Regierungs- oder Lehramt, außer an jüdischen Schulen. Denn: "Es ist gegen die Würde der Chnsten, zu Füßen eines jüdischen Lehrers zu sitzen, sich von einem jüdischen Richter nchten zu lassen. Es ist gegen die Grundsätze der Kirche, gegen das Wohl der Völker, daß Juden mit den Chnsten bürgerlich gleichberechtigt seien, darum darf man sie nicht emporkommen lassen. Innocenz III. nennt es einen absurden Gedanken, daß ein Lästerer Chnsti gegen einen Chnsten eine Machtbefugnis ausüben solle." 5. Der Chnst darf nicht dem Juden als Hausdienstbote dienen. Zuwiderhandlungen werden unter Umständen mit Exkommunikation belegt. Zur Begründung erwähnte das kanonische Recht voller Abscheu, daß bei den Juden der Brauch herrsche, die Milch der Ammen, wenn diese an Ostem zum Tische des Herm gingen, drei Tage lang "in latnnam" zu gießen. Da derartige Abscheulichkeiten noch mancherlei bei ihnen vorkämen, so müsse ein chnstlicher Dienstbote sich vor dem göttlichen Zome fürchten, wenn er in solchem Haus sein Brot verdiene. Wenn aber die Juden sich weigerten, ihre chnstlichen Dienstboten und Ammen zu entlassen, so sei ihnen durch das kirchliche Recht jeder Verkehr mit Chnsten verboten. 6. Das jüdische Erwerbs- und Handelsleben soll der strengen Kontrolle unterworfen sein, um die chnstlichen Völker vor Auswucherung zu schützen. 7. Ehen zwischen Chnsten und Juden sind, weil "dispantas cultus" vorliegt, streng verboten. Also wegen Verschiedenheit der Religion (nicht wegen der Verschiedenheit des Bekenntnisses innerhalb der Gemeinschaft der Getauften) sind diese Ehen verboten. Darum wurde selbst Protestanten Ehen mit Juden einzugehen. Von diesem trennenden Ehehindemisse sei durch das kirche niemals eine Dispens zur Eingebung einer jüdischchnstlichen Mischehe zu erlangen. - 154 -