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sells the peasant the grain for bread, seed, and fodder by the measure. Of a similar Christian usury I have at least in my practice never yet heard!
It is argued, in excuse for these faults, that they must necessarily arise from the oppressed circumstances of the Jews. When I recall yesterday's speeches, I might believe that we were living in the times of the Jew-hunts, that every Jew must daily put up with everything that the honest Shylock was willing to endure, if only he could become rich. But of that I see nothing anywhere; rather, I see only, as I said, that the Jew cannot become a civil servant (he can choose all other professions) and now that seems to me a strong conclusion, that because someone cannot become a civil servant, he must become a usurer. . . . .
I would rather agree with another speaker who wants to emancipate the Jews if they themselves tear down the barriers that separate them from us! The high assembly has had some anecdotes read to it, so it will also permit me to tell one, by which I can demonstrate how little the Jews are inclined to abandon the rigidity of their customs. . . . .
Thus far, the freedom of Germany is not so low in price that it would not be worth the
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— 62 — verkauft den Bauem das Brot-, Saat- und Futterkom megenweis. Von einem ähnlichen chnstlichen Wucher habe ich wenigstens in meiner Praxis noch nie gehört! Man führt zur Entschuldigung dieser Fehler an, daß sie aus den gedrückten Verhältnissen der Juden nothwendig hervorgehen müßten. Wenn ich mir die Reden von gestem vergegenwärtige, so möchte ich glauben, daß wir in den Zeiten der Judenheßen lebten, daß sich jeder Jude täglich alles das müſſe gefallen lassen, was der ehrliche Shylock erdulden wollte, wenn er nur reich würde. Aber davon sehe ich nirgend etwas, sondem ich sehe nur, wie gesagt, daß der Jude nicht Beamter werden kann (alle anderen BerufsArten kann er wählen) und nun ist mir doch das eine starke Schlußfolge, daß, weil Jemand nicht Beamter werden kann, er ein Wucherer werden müsse. . . . . Einem anderen Redner möchte ich mich eher anschließen, welcher die Juden emanzipiren will, wenn sie selbst die Schranken niederreißen, die sie von uns trennen! Die hohe Versammlung hat sich einige Anekdoten vorlesen lassen, sie wird also auch mir gestatten, eine zu erzählen, durch welche ich darthue, wie wenig die Juden geneigt sind, von der Starrheit ihrer Gebräuche zu lassen. . . . . Bisher steht die Freiheit Deutschlands nicht so niedng im Preise, daß es nicht der