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102 For a more precise understanding, we want to go back a little further.
We have only had a real understanding of the organic nature surrounding us since we recognized, through the method pioneered by Lamarck and Darwin, that all the many botanical and zoological classes, genera, and species did not always stand side by side as permanent types in their current anatomical-morphological form, but that the present only emerged in the course of millions of years from ever simpler preliminary stages. We call this slow developmental course of an entire genus its phylogenesis.
We could likewise only achieve an understanding of the existence of the many racial types together with an understanding of the entire development of mankind. Just as in the animal world we see the evidence of phylogenetic development before us in that we can trace individual physical organs back to ever simpler forms, perhaps with the help of fossil bone finds, to a stage at which they meet with the similarly retroactively traced development of the analogous organ of another species, indeed so far that we are in a position to find similar starting points for the development of species and genera as well — just as we seek such chains of evidence for the plant and animal world, we must similarly strive to find some phylogenetic viewpoints on a smaller scale for the development of mankind as well.
The differentiation of the same organ in different directions could only be possible if at the beginning there was still a certain range of variability in its external form and in its internal structure, so that after the bifurcation, one branch could more sharply accentuate this variation, the other that one, and finally bring it to exclusive dominance. The degree of the existing range of variability thus determines the magnitude of the changeability and the distance of the species later emerging from this type.
If we therefore assume for the varieties of the human race
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102 Wir wollen zu genauerem Verständnis etwas weiter zurück- greifen. Ein wirkliches Verständnis der uns umgebenden organi- schen Natur haben wir erst, seit wir nach der durch Lamarck und Darwin angebahnten Methode erkannt haben, daß alle die vielen botanischen und zoologischen Klassen, Gattungen und Arten nicht in ihrer heutigen anatomisch-morphologischen Ge- staltung seit je als Dauertypen nebeneinander standen, sondem daß das Gegenwärtige erst im Laufe von Millionen von Jahren aus immer einfacheren Vorstadien hervorgegangen ist. Wir nennen diesen langsamen Entwicklungsgang einer ganzen Gat- tung ihre Phylogenese. Ein Verständnis für die Existenz der vielen Rassentypen könnten wir ebenso nur erreichen, zusammen mit einem Ver- ständnis der ganzen Menschheitsentwicklung. Wie wir in der Tierwelt die Zeugnisse der phylogenetischen Entwicklung da- durch vor uns sehen, daß wir einzelne Körperorgane etwa an der Hand fossiler Knochenfunde zu immer einfacherer Ge- staltung zurückverfolgen können, bis zu einem Stadium, in welchem sie mit dem auf gleiche Art rückläufig verfolgten Werdegang des analogen Organes einer anderen Spezies zusam- mentreffen, ja so weit, daß wir ähnliche Ausgangspunkte auch für die Entwicklung der Arten und Gattungen zu finden in der Lage sind, — wie wir solche Beweisketten für die Pflanzen- und Tierwelt aufsuchen, so ähnlich müßten wir uns auch be- mühen, irgendwelche phylogenetische Gesichtspunkte in kleinerem Rahmen auch für die Menschheitsentwicklung aus- findig zu machen. Die Differenzierung desselben Organes nach verschiedenen Richtungen hin konnte nur möglich sein, wenn am Anfange noch eine gewisse Vanabilitätsbreite in dessen äußerer Gestal- tung und in dem inneren Bau vorhanden war, so daß nach der Gabelung der eine Zweig diese, der andere jene Vanation schärfer pointieren und schließlich zur ausschließlichen Herr- schaft bnngen konnte. Das Maß der vorhandenen Vanabilitäts- breite bestimmt also die Größe der Veränderlichkeit und die Distanz der später aus dieser Art hervorgehenden Spezies. Wenn wir daher für die Vanetäten des Menschengeschlechtes